Sonntag - 29. März 2020


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Der Zweite Weltkrieg

und die NS-Zeit im Außerfern




B-17 Flying Fortress


Aufstieg zur Macht


Bei den Wahlen im April 1929 zeigten sich noch spärliche Wahlergebnisse der Nationalsozialistischen Gruppierungen.
Wahlergebnisse für den politischen Bezirk Reutte: Gültige Stimmen 8669, davon Hitlerbewegung 1, Kommunisten 0, Angestelltenpartei 178, Sozialdemokraten 789, Großdeutsche 187, Tiroler Volkspartei 6474, Landbund 19, Ständebund 1018, Wirtschaftsbund 1, Nationalsozialisten 4.

"...erschien am Sonntag, den 15. November 1931, nachmittags eine stärkere Abordnung [der Nationalsozialisten] aus Innsbruck und Füssen und hielt um 5 Uhr abends [...] in Reutte eine Werbeversammlung ab. Der Saal war schon vor Beginn der Versammlung derart voll, daß niemand mehr eingelassen werden konnte. Allerdings waren die meisten Besucher Neugierige und Mitglieder anderer Parteien.
In seiner Rede legte Ing. Riedl die Aufgaben der nationalsozialistischen Partei auseinander und erging sich insbesondere in Angriffe gegen den Kapitalismus und den sozialdemokratischen Klassenkampf.

Während der Versammlung überwachten zirka 30 Uniformierte den Saal, während draußen die Polizei und ein verstärktes Gendarmerieaufgebot den Platz vor dem Hotel absperrte. Angesichts der starken Bewachung getraute sich auch kein Gegenredner aufzutreten und die Versammlung verlief bis auf einige Pfuirufe in voller Ruhe..."

Innsbrucker Nachrichten vom 18. November 1931


Die nationalsozialistische Propaganda nimmt im Bezirk spätestens ab Anfang 1933 richtig an Fahrt auf. Man spricht von einer "schwarzen Liste" auf der jene stehen, die als Gegner des Anschlusses an das Deutsche Reich gelten. Man nennt auch Namen, deren Träger mit Gewaltmaßnahmen (Verhaftungen, Internierung in Konzentrationslager, Einzug des Privatvermögens, Rufmord und Tod) rechnen müssen, wenn die Nationalsozialisten in Österreich die Macht ergreifen werden. Eine übliche Praxis der Einschüchterung, wie sie überall in Österreich zur Anwendung kam.

Vor Verspottung und Anpöbelung ist fast niemand mehr sicher, der sich nicht offen mit dem Parteiabzeichen für die Nationalsozialisten bekennt. Alle "unzuverlässigen" Beamten werden beurlaubt oder deren Stellen mit Leuten aus der Partei besetzt.

Die Staatsführung versucht gegenzulenken und bereits Mitte Juni kommt es zu Verhaftungen von sogenannten Ortsführern der nationalsozialistischen Partei. In Reutte werden sechs Verhaftungen registriert.

Am 22. Juli fliegt von Füssen kommend eine einmotorige Maschine über Reutte und seine Nachbardörfer hinweg und wirft Massen von Flugzetteln der NSDAP ab. Am selben Tag werden auch über anderen Tiroler Orten nahe der Grenze solche "Propagandaflugzettel" abgeworfen, wie etwa über Kufstein, Kirchbichl, Wörgl, Achental, Jenbach und Schwaz.

Am Mittwochabend dem 8. November 1933 wurde an der Hochschanz ein sehr großes Hakenkreuz abgebrannt, ebenso am Säuling und an der Gehrenspitze. An diesen Gipfeln fand das Abbrennen der Symbole an so prominenten Stellen statt, dass diese Feuer im ganzen Talkessel deutlich sichtbar waren. Die alarmierte Gendarmerie und Hilfspolizei konnte die Täter nicht dingfest machen. Am selben Abend hingen ebenfalls unerkannt gebliebene Täter eine Hakenkreuzflagge an der Lechbrücke zwischen Lechaschau und Reutte auf, welche von der Polizei nur unter großen Schwierigkeiten wieder abgehängt werden konnte.

Machtübernahme und Gleichschaltung der Massen


Am Sonntag den 6. November 1938 fährt von Innsbruck kommend Gauleiter Hofer im Konvoi über den Fernpass nach Reutte. Bereits am Fernpass empfängt ihn ein über die Straße gespanntes Spruchband "Außerfern grüßt den Gauleiter". Entlang der Strecke standen auch immer wieder Fackelträger Spalier. In Reutte angekommen folgte eine Ansprache des Gaupresseamtsleiters der NSDAP:

"Der Gaupresseleiter, Gauamtsleiter Pisecky, sprach dann, indem er einleitend an die erste Feier des Tages der Deutschen Arbeit in Reutte im Jahre 1933 erinnerte, über den gewaltigen inneren Aufschwung und äußeren Machtzuwachs des Deutschen Reiches unter der Führung Adolf Hitlers."

Gauleiter Hofer selbst sprach im Anschluss von "der Ordnung in den eigenen Reihen":
"Wenn wir heute darangehen, alte Verbrechen und Unzukömmlichkeiten zu klären und ihrer Sühne zuzuführen, so sind wir aber selbstverständlich auch jederzeit entschlossen, Unzukömmlichkeiten in unseren eigenen Reihen nicht zu dulden. Das unterscheidet ja die nationalsozialistische Führung von den früheren Regimen." Dem folgte eine unterschwellige Androhung. Nämlich die Gleichstellung aller und das nicht dulden von Einzelinteressen.
"...dies soll nicht [nur] den Nationalsozialisten, [...] sondern allen denjenigen, die glauben, daß nur ein Personen- und kein Gesinnungswechsel vorgenommen wurde, beweisen, daß es uns tatsächlich darum geht, das öffentliche und private Leben von allen Verfallserscheinungen zu befreien..."
Innsbrucker Nachrichten vom 7. November 1938

Reichsarbeitsdienst


nazi nationalsozialisten reichsarbeitsdienstlager berg tannheim rad
das Reichsarbeitsdienstlager (RAD) bei Tannheim

nazi nationalsozialisten reichsarbeitsdienstlager chef führung lagerleitung
Besprechung der Lagerleitung des RAD
bei Tannheim / Kienzen

rad reichsarbeitsdienst lech höfen
Mädchen des RAD bei Höfen
Die Organisation des Reichsarbeitsdiensts wurde ab Mitte Juni 1935 verpflichtend eingeführt und zum größten Teil zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen: "...alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts sind verpflichtet, ihrem Volk im Reichsarbeitsdienst zu dienen..."
Dieser Dienst war zunächst nur jungen Männern auferlegt, welche dazu für sechs Monate einberufen wurden. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Reichsarbeitsdienst aber auch auf die weibliche Jugend ausgedehnt.

Im Außerfern befand sich ein solches Lager in Tannheim, zwischen den Fraktionen Berg und Innergschwend.

BDM (Bund Deutscher Mädel) und Hitlerjugend


Der Bund Deutscher Mädel war eine Untergruppe der Hitlerjugend. Während der Kriegsjahre wurden vielerorts Lager des BDM errichtet um für die meist in landwirtschaftlichen Betrieben tätigen Mädchen als Unterkunft zu dienen. Üblicherweise bestanden diese Behausungen lediglich aus einem betonierten Sockel und einer in Ständerbauweise darüber aufgebauten Baracke.

Orte mit BDM-Lagern: Pinswang, ...

Gebirgsjägerregiment 99


Das Gebirgsjägerregiment 99 wurde im Oktober 1935 aufgestellt und in der Folgezeit an unterschiedlichen Standorten in Süddeutschland (Baden-Württemberg und Bayern) stationiert. Im Oktober 1936 erfolgte die Verlegung nach Füssen, aber erst im März 1938 rückte das 99. Regiment direkt an die deutsch-österreichische Grenze vor um die Besetzung Österreichs vorzubereiten. Der Einmarsch verlief jedoch friedlich und so gestaltete sich der Marsch über Hallein nach Wien als Formsache. Ab 1. April erfolgte die Rückverlegung von Wien in die vorhergegangenen Stützpunkte im süddeutschen Raum und am 9. April wird das Regiment der 1. Gebirgs-Division unterstellt.

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Bomber-Absturz


Am 22. Januar 1944 stürzte ein Bomber der Alliierten Luftstreitkräfte im Bereich des Kreuzkarsees nahe Hinterhornbach ab. Eine Bergung der Mannschaft sowie der Maschine konnte in dem steilen Felsterrain nicht durchgeführt werden.
Noch heute sind Teile der Maschine in dem kleinen Kreuzkarsee zu sehen, da diese im Laufe der Jahre vom Wandfuß durch die Witterungseinflüsse (Schnee) und dem natürlichen Erosionsprozess das Kar hinab in den See verfrachtet wurden.

Luftkampf über dem Außerfern



Propeller der B24 Liberator, welche etwa 200 m nördlich der Lermooser Kirche in das Moos stürzte
Am 3. August 1944 wurde über dem Ehrwalder Becken die größte Luftschlacht Tirols ausgefochten. Dabei griffen zahlreiche deutsche Jagdflieger von Westen kommende amerikanische Bomber an und brachten mehrere davon zum Absturz. Einer stürzt am Ortsrand von Lermoos in das Moos, 4 Maschinen gehen im Gemeindegebiet von Biberwier nieder (Wampeter Schrofen, Wannig, südöstlich von Biberwier, Brendlkar) und 1 Bomber zerschellt im Bereich der Ehrwalder Alm.

Aus den Maschinen wurden insgesamt 16 lebende und 14 tote Besatzungsmitglieder geborgen. Aber auch auf deutscher Seite gab es zahlreiche Abstürze von Jagdfliegern wie etwa in Berwang, Ehenbichl, am Grubigstein (Biberwier), Martinau (Elmen), Stanzach und der Tuftlalm bei Lermoos.

Am 22. Februar 1945 wird dann der Bezirkshauptort Reutte von einem Bombenangriff heimgesucht, welcher acht Opfer aus der Zivilbevölkerung fordert und mehrere Häuser im Bereich des Bahnhofes stark beschädigt oder zur Gänze zerstört.



Außenstelle KZ Dachau


1944 befanden sich im Hotel Forelle und dem Hotel Ammerwald Außenstellen des KZ Dachau. In diesen Außenstellen wurden vorwiegend Häftlinge aus höheren Kreisen interniert. Bei Kriegsende wurden die gefangen gehaltenen Personen durch die amerikanische Armee befreit. Kurz zuvor konnten bereits einige französische Kriegsgefangene, nachdem die Soldaten der SS die Flucht ergriffen hatten, die Lager am Plansee übernehmen.

Kriegsgefangenenlager


Im Verlauf der Kriegsjahre wurden im Außerfern einige Privat- und Gasthäuser zu Kriegsgefangenenlagern umfunktioniert. Ein solches befand sich im Haus Nr. 9 in Oberpinswang. Auch in Vils gab es ein solches Lager, in welchem Zwangsarbeiter des Zementwerks untergebracht wurden [1].

Tirol rückt ins Zentrum des Befreiungskampfes der Alliierten


Es war ein Bericht des Schweizer Geheimdienstes, welcher die Alliierten Streitkräfte aufhorchen ließ und den Kriegsschauplatz endgültig in unsere Region verlegte. Darin war zu lesen, dass die nationalsozialistische Führungsschicht vorhabe sich im Falle eines Zusammenbruches der deutschen Abwehr mitsamt den SS-Truppen in die Berge Tirols oder des Allgäus zurückzuziehen um sich dort einzuigeln und einen erbitterten Kampf zu führen. Tatsächlich spielte Franz Hofer, der Gauleiter von Tirol-Vorarlberg, mit dem Gedanken eine "Alpenfestung" im schweizerischen Stil zu errichten.

Im November 1944 verfasste er zu diesem Zweck ein Memorandum, welches er mit der Bitte um sofortige Weiterleitung an Adolf Hitler an die Reichsleitung schickte. Martin Bormann, der Sekretär des Führers, behielt dieses Schreiben aber offenbar vorerst zurück. Erst Anfang April 1945 wurde Hofer für die Erläuterung seines Schreibens zu Hitler zitiert.

Zu diesem Zeitpunkt war aber durch den Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte Tirol bereits zum Primärziel erklärt worden. Sofort nach Überqueren des Rheins steuerten schlagkräftige Divisionen gegen Süden, hin zu den Alpen. Gauleiter Hofer gab den Befehl die Gaugrenzen abzuschotten und es wurden zahlreiche Panzersperren errichtet. Im Außerfern befanden sich diese in Vils und am Fernpass im Bereich des Blindsees, sowie in Grän. Um den Vormarsch der Amerikaner, welche am 18. April 1945 gegen 10 Uhr die Grenze bei Schönbichl (Vils) überschritten, aufzuhalten wurde von der Wehrmacht sogar die damalige Gemstalbrücke am Gaichtpass sowie die Lechbrücke bei Lechaschau gesprengt.

Nachdem Vils kampflos von den Amerikanern eingenommen werden konnte, stieß die 103. amerikanische Infanteriedivision am Ranzen auf Einheiten der deutschen Gebirgsjäger. Nach einem kurzen Gefecht zogen sich die US-Streitkräfte jedoch nach Vils zurück um sich dort zu stationieren. Am späten Nachmittag rollten die amerikanischen Panzer gegen den Ranzenberg vor und nahmen denselben von drei Seiten unter Beschuss, welcher bis zum nächsten Tag fortdauerte. Die geplante Sprengung der Ulrichsbrücke durch die Deutschen kam nicht mehr zur Durchführung.

In Pinswang fand die US-Army, gleich wie in Vils, keine Gegenwehr mehr vor. Die Amerikaner konnten am späten Nachmittag des 29. April schließlich ihren Vormarsch in Richtung Reutte fortsetzen, da sämtliche deutsche Soldaten entlang der Marschroute desertierten und die Flucht ergriffen, da sie wussten - die Lage war aussichtslos.

Wernher von Braun


wernher von braun in reutte
Wernher von Braun wird in Reutte verhaftet
Foto: Wikipedia
Wernher von Braun erlangte zunächst durch die Entwicklung der ersten leistungsstarken und funktionstüchtigen Rakete, der "V2", an Bekanntheit. Bereits seit 1937 beschäftigte er sich als technischer Direktor an der Heeresversuchsanstalt Peenemünde mit der Konstruktion dieser ersten Rakete mit großer Reichweite. Bei einer gezielten Bombardierung der Versuchsanstalt durch die Briten im August 1943 konnte sich Braun in einen Bunker retten und überlebte so den Angriff.
Um die Versuche weiter führen zu können legte man im Nahbereich des KZ Buchenwald eine unterirdische Anlage an und überbaute diese zur Tarnung mit einem Arbeitslager. Dieser mit dem Tarnnamen "Arbeitslager Dora" versehene Bau wurde später auch für die Serienproduktion der V2 genutzt.

Im April 1945 besetzten US-Truppen die umfangreichen Produktionsstätten bei Bleicherode. Nur wenige Tage vorher wurde von Braun nach Oberammergau verlegt. Einige Tage später flüchtet er vor der französischen Armee nach Oberjoch. Das Allgäuer Gebiet dürfte von Braun nicht fremd gewesen sein, denn er wurde schon vorher mehrfach im Bereich des Alatsees gesehen. Der See war während des Krieges stets militärisches Sperrgebiet. Unter anderem errichtete man am und in dem See versuchsweise Rampen für Raketenstarts auf dem Wasser. Offenbar befinden sich noch heute an gewissen Stellen unter der Wasseroberfläche Gestänge und Aufbauten der damaligen Apparaturen.

offiziere luftwaffe alatsee

Als die Amerikaner Oberbayern einnahmen setzte sich Magnus von Braun, der Bruder Wernhers, mit den US-Truppen in Verbindung, wohl um ein Überlaufen in die Wege zu leiten. So konnten sich die Amerikaner neben den konfiszierten V2-Raketen auch das technische Wissen sichern. Am 3. Mai 1945 stellt sich von Braun zusammen mit seinem Bruder und einigen Wissenschaftlern seines Teams den US-Streitkräften in Reutte.

Nach dem Krieg


Bei Vils stürzt am 16. Juli 1945 eine B-17 Flying Fortress der 94th Bomb Group (410th Bomb Squadron) mit der Kennung 44-8149 während eines Frachtfluges ab und zerschellt an einer Felswand. Alle sieben Besatzungsmitglieder kommen dabei ums Leben, die Leichen werden in den darauf folgenden Tagen mit Hilfe einheimischer Kräfte durch die US-Army geborgen und abtransportiert.
Bemerkenswert an diesem Vorfall ist, dass das Unglück oder die Arbeiten in der Folgezeit in keinem Zeitungsartikel oder sonst einem zeitgenössischen Text auftauchen.



Aluminum Overcast.1
Flying Fortress B17-G - © Bzuk via Wikimedia Commons
verstorbene Besatzungsmitglieder

Rolland Catton
Wayne Dutler (Corporal)
Leonard Ehlers
Lawrence Foley (Lieutenant)
Russell O'Rourke (Sergeant)
Walter Sutherland (First Lieutenant | Pilot)
Walter Trout (Lieutenant)

Quellen:




Einzelnachweise


1. | 900 Jahre Pinswang - Das Dorf an der Grenze





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