Die Zeitleiste - Außerferner Chronik


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Was war los im Außerfern im Jahr 1926



Mit 1. März wird der Bau der Reuttener Hochdruckwasserleitung begonnen

In Höfen plant man eine Drahtseilbahn bis hinauf zu der Höfener Melkalpe zu errichten

Am 3. März bricht im Gasthof Post in Lermoos ein Brand aus, welcher den Dachstuhl komplett zerstört. Neben den heimischen Wehren ist auch die Feuerwehr von Garmisch mit einer Motorspritze vor Ort, mit welcher ein weiteres Ausbreiten des Feuers unterbunden werden kann

In der Nacht vom 22. auf den 23. März brennt bei Vorderhornbach die Tischlerei und auch die Säge des Emanuel Lechleitner vollständig nieder

Ein von Reutte kommender Zug entgleist am 7. April zwischen Schanz und Griesen. Ein vermeintlicher technischer Defekt veranlasste den Lokführer sich weit aus dem Fenster zu lehnen, wobei der das Gleichgewicht verlor und aus dem fahrenden Zug stürzte. Der somit führerlose Zug sprang in Folge überhöhter Geschwindigkeit aus den Geleisen

Die Zugspitzbahn bei Ehrwald wird feierlich eröffnet

Am 14. Juni besucht Bundespräsident Dr. Hainisch das Außerfern. Er macht Station in Ehrwald und besichtigt die neu errichtete Zugspitzbahn. Danach reist er über Kreckelmoos und Vils weiter.
Am 15. Juni gelangt er nach Holzgau um dort eine Delegation von Rinderzüchtern zu treffen und die Produktion von Käse in der örtlichen Sennerei zu inspizieren

Die Lechbrücke zwischen Lechaschau und Reutte wird neu errichtet

Am 15. Juli gehen in den Morgenstunden schwere Wolkenbrüche über dem Reuttener Talkessel nieder. Der Laimbach tritt über die Ufer und reißt die Brücke der Bundesstraße mit sich, wodurch der Verkehr nach dem Lech- und Tannheimer Tal vorübergehend unterbrochen wird. Die Felder am angrenzenden Ortsteil 'Platten' werden überschwemmt und vermurt. Bei Ehrwald wird die Straße und die Bahnstrecke unter einer Mure begraben

Am 26. August wird der Betrieb des Bergwerks Dirstentritt eingestellt

Die fliegerischen Abenteuer des Fabrikanten Pischl aus Telfs im Jahr 1926 enden vorläufig am 25. August mit einem Unfall bei der Landung in Boden (Gemeinde Pfafflar)

Mitte September löst ein Blitzschlag am Gaichtberg (Bärenbad) einen Waldbrand aus. Zahlreiche Helfer löschen das Feuer. Tage später stellt man fest, dass sich der Brand unterirdisch gehalten hatte und wieder ein oberflächliches Feuer hervorbrachte. Über weitere Tage hindurch sind die Bewohner von Weißenbach mit der Schaffung von Gräben und Löscharbeiten beschäftigt.
"...im Laufe der Nacht glich die Gaichtspitze einem ausbrechenden Vulkan, aus welchem gelbe Flammen und schwarzer Rauch zum nächtlichen Himmel loderten..."

Anfang Oktober beruft der vormalige Leiter der Stukkateur-Schule in Elbigenalp Benno Bischof eine Versammlung ein, welche sich dem Thema der Gründung einer Schnitzschule annimmt

Ende des Jahres wird ein weiteres Bergbahnprojekt im Zugspitzgebiet vorgestellt. Eine Bahn soll von Ehrwald hinauf zum idyllisch gelegenen Seebensee gebaut werden um das Gebiet um die Coburger Hütte und dem Drachensee leichter zugänglich zu machen

Ausferner Bote vom 18. November 1926
Biberwier, 24. November. Gestern um halb 10 Uhr abends erschreckte die Bewohner Biberwiers plötzlich der Ruf "Feurer". Das Holzhaus der Rosa Schönherr stand in Flammen. Sofort waren auch schon die Feuerwehren Ehrwald, Lermoos und Biberwier am Brandplatze und es gelang ihnen, die noch im Hause befindliche Frau und eine Ziege zu retten. Das Feuer konnte lokalisiert, das Haus jedoch nicht mehr gerettet werden. Als Brandursache vermutet man Kurzschluß.

Am 3. Dezember wird in Lechaschau der 22 Jahre alte Knecht Wilhelm Wegertseder (Wegetzeder) bei einem Schusswechsel auf einer privaten Feier von einem Nachbarn getötet, da dieser für Ruhe sorgen wollte

Am 12. Dezember wird das komplett renovierte Bad Kreckelmoos feierlich durch den Bischof Sigismund Waitz eröffnet


collections_bookmark  Detailinformationen und weitere Ereignisse des Jahres 1926

Der alte, hölzerne Bau der Lechbrücke ist den Anforderungen des Autoverkehrs nicht mehr gewachsen. Zuletzt mussten die Passagiere der schweren Postautos sogar eine Zeit lang die Brücke zu Fuß überqueren.

Ausferner Bote vom 15. April 1926
14. April. Gestern vormittags stürzte zwischen km 13 und 14 der Gaichtstraße die Holzbrücke bei der Steegmühle beim Weiler Rauth ein, als das mit Holz beladene Lastauto der Frächter Kuisle und Lenbach dieselbe passierte. Glücklicherweise brach das Auto nur mit dem rückwärtigen Teil in den zirka zwei Meter tiefen Graben ein. Durch den Einsturz wurde der Postautoverkehr lahmgelegt, doch soll derselbe heute nachmittag durch Errichtung einer Notbrücke wieder ermöglicht werden. Die Brücke zeigte im Belag und auch im Traggerüst eine sehr weit vorgeschrittene Vermorschung.

Am 20. Juni kreist ein Flugzeug am Himmel über Grän. Eine vor ihrem Haus befindliche Frau glaubte, dass das Flugzeug auf sie herabstürzen würde und lief voller Panik zurück in das Haus

Häselgehr, 26. Juli 1926. Heute vormittag unternahmen 2 Herren aus Deutschland von hier aus eine Faltbootfahrt über Füssen nach Augsburg. Nachdem der Lech großes Gefälle hat, ging hie Fahrt in sehr raschem Tempo dahin.
Es war dies das erstemal, daß Faltboote den oberen Lech befahren und wir hoffen, daß die beiden Herren glücklich und heil an ihrem Ziele anlangen. Bei der Abfahrt fanden sich eine große Menge Neugieriger ein, welche alle ganz begeistert ihr Wohlgefallen an diesem schönen Sporte durch Winken und Rufe zum Ausdruck brachten. Wir freuen uns, wenn uns bald wieder solch kühne Rudersmänner mit ihrem Besuche beehren und ergötzen.


Ausferner Bote vom 29. Juli 1926
Reutte, 26. Juli. (Flugzeug.) Gestern nachmittags 4 Uhr kam Herr Fabrikant Pischl von Telfs mit seinem Udet-Flugzeug D773 zu uns und landete auf der dem Herrn Hotelier Franz Kraus gehörigen großen Wiese in der Nähe des Bahnhofes. Die Landung ging glatt vonstatten, doch genierten einigermaßen die Leitungsdrähte der elektrischen Hochspannung. Bei Anlage eines Flugplatzes an dieser Stelle wären diese Leitungen in Kabel zu legen. Um 7 Uhr abends trat Herr Pischl trotz des Regens und dichten Nebels den Rückflug an. Das Flugzeug ist leicht gebaut, seine Bestandteile sind hauptsächlich Aluminium und Tuch. — Das Leergewicht beträgt 480 kg, Zuladung 320kg, Gesamtgewicht demnach 800 kg. — Trotz heftigen Regens strömten von allen Seiten Leute herbei und bewunderten das Flugzeug.

Schon im Frühsommer wird den Spatzen "der Krieg" erklärt. Es bedarf großer Überredungskunst die Bauern und Landwirte von der Nützlichkeit des lat. Passer domesticus zu überzeugen

Ausferner Bote vom 9. Sept. 1926
Boden, 1. Sept. - Am 25. August erschien Fabriksbesitzer Pischl aus Telfs mit einem Begleiter in seinem Udetflugzeug über Boden und senkte sich zur Landung auf ein Feld herab. In einer kleinen Bodenerhebung blieben die Räder des Flugzeuges stecken, es überschlug sich und die Insassen kamen unter dasselbe zu liegen. Glücklicherweise kamen sie ohne Beschädigung davon und konnten sich selbst aus dem umgestürzten Fahrzeuge befreien. Beim Umstürzen wurden die Propeller abgeschlagen und das Steuer beschädigt. Da ein Abtransport ins Tal unmöglich ist, wurde zur Behebung des Schadens ein Monteur aus der Fabrik in München entsandt.



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