Freitag - 03. April 2020


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Die Zeitleiste - Außerferner Chronik


Was war los im Außerfern im Jahr 1552



In einem Schreiben vom 1. März ordnet der Bruder des Kaisers Karl, Erzherzog Ferdinand von Österreich, an, mit den Sicherungsarbeiten an den Sperrfesten, Schlössern und Pässen Tirols zu beginnen

Am 6. April kommt Kaiser Karl V. in das Außerfern. Als er aber erfährt, dass Kurfürst Moritz von Sachsen als Anführer einer protestantischen Streitmacht gegen Ehrenberg vorrückt, kehrt er sofort nach Innsbruck zurück

Moritz von Sachsen besetzt ein weiteres Mal Füssen und schlägt sich bei der Wehranlage am Kniepass durch. Die nun ungeschützte kaiserliche Hauptstreitmacht im Kessel von Reutte wird frontal angegriffen und erleidet eine verheerende Niederlage.
Zeitgenössischen Angaben zufolge dürfte es bei diesem Angriff etwa 1200 Tote und über 5000 Gefangene gegeben haben

Ein einheimischer Verräter führt einen Teil der Truppen des Moritz von Sachsen hinter die Ehrenberger Klause. Durch einen Überraschungsangriff von beiden Seiten wird die Klause schnell von feindlichen Einheiten eingenommen

Moritz von Sachsen zieht nach Innsbruck weiter um dort den Kaiser gefangen zu nehmen, der ist zu diesem Zeitpunkt allerdings schon über den Brenner geflohen. Daraufhin ziehen Moritz' Truppen - vermutlich da sie ihr Primärziel nicht erreicht haben - mordend und brandschatzen durch die Täler, verwüsten Kirchen (Breitenwang) und hinterlassen ein Bild des Grauens. Viele der verängstigten Anwohner sind vor der Gefahr in die Wälder geflüchtet und dabei zum Teil gar verhungert. Alle Orte entlang der Fernpassstrecke werden dabei zum größten Teil zerstört

Die Tiroler versuchen die Stadt Füssen im Tauschweg vom Hochstift Augsburg zu erhalten um dort eine Grenzfestung für 3000 Mann auszubauen, als Sperrfestung direkt am Eingang in die Alpen

Graf Hug von Montfort zieht am 4. August mit 30 Fähnlein Fußvolk (etwa 10000 bis 12000 Mann) von Kempten kommend über Nesselwang durch Reutte und weiter nach Innsbruck


collections_bookmark  Detailinformationen und weitere Ereignisse des Jahres 1552

aus: Herrschaft und Veste Ernberg, Justinian Ladurner (1870)
"...so hatten zwar die moritzischen Vandalen endlich den tirolischen Boden geräumt, aber grauenerregend waren die Spuren, sie sie in den an der Strasse gelegenen Gegenden der Herrschaft Ernberg hinter sich gelassen; die ganze Gegend in eine Wüste verwandelt, bei 4000 Menschen, jung und alt ins Elend vertrieben; und als dieselben endlich nach deren Abzug aus ihren Schlupfwinkeln in ihre gewesene Heimat zurückzukehren wagten, fanden sie nichts als zerstörte Häuser und alle Lebensmittel aufgezehrt oder zu Grunde gerichtet, so dass eine furchtbare Noth unter ihnen entstand und die armen Leute mit ihren nackten Kindern am Wege liegend die Vorübergehenden um ein Stücklein Brodes anbettelten, und viele von ihnen wirklich hätten Hungers sterben müssen, wenn ihnen nicht die Regierung noch zeitig genug durch zugesandte Fässer Mehl zu Hilfe gekommen wäre.

Doch vernehmen wir den Schaden, welchen die Leute der Herrschaft Ernberg durch diesen Moritzischen Einfall ins Tirol erlitten, aus ihrer eigenen Schilderung, die sie in ihrer Bittschrift an den Landtag im Jahre 1554 davon machten: 'als die Feinde gen Reute heranzogen, hätten sie, die vor der Clause gelegen, so wie die hinter derselben in Zwischenthoren wohnenden am 18. Mai auf Aufmahnung zur Landesrettung an die Clause ziehen müssen; etliche unter ihnen hätten Weib und Kinder, Habe und Gut unversichert verlassen müssen, auch seien viele sammt Weib und Kindern von Haus und Hof, Hab und Gut verjagt, etliche von ihnen getödtet, andere gefangen genommen und geschätzt worden; und weil die meisten von ihnen Haus und Hof, Leib- und Bettgewand, Kupfergeschirr und Hausrath, wie auch Vieh, Pferde und Rinder zurücklassen müssen, hätten ihnen die Feinde alles geraubt, die Häuser zerrissen, Thüren, Fenster, Oefen, Kästen und Truhen zerschlagen und selbe zum Theil mit etlichen Häusern verbrannt, in Folge dessen Noth, Verzagtheit und Elend erfolgt, so dass etliche von ihnen in den Wäldern mit Weib und Kindern Hungers gestorben, und jene, welche noch zu den zerstörten Häusern zurückgekehrt, doch grösstentheils nicht vermögend gewesen, in denselben sich häuslich niederzulassen und daher sich genöthigt gesehen, Weib und Kinder zu verlassen und in kaiserliche oder königliche Dienste zu treten, in welchem viele von diesen umgekommen. Dadurch sei die Mannschaft des Gerichts Ernberg sehr gemindert aber um desto mehr arme Wittwen und Waisen geworden, denen das zu Grunde gerichtete Gericht nicht vermögend sei Unterstützung zu reichen...

...nicht eine namhafte Unterstützung zukommen zu lassen; sie müssten sonst das Land verlassen, welches dadurch zur Einöde werden müsste. Bitten auch zugleich, sie auf einige Jahre mit Steuern und Truppendurchzügen zu verschonen, und ihnen zu helfen, ihren kleinen Handel wieder emporzubringen.'
..."




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