Mittwoch - 13. Nov. 2019


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Der Wassermann im Weißensee




Von allen Wassermännern, die einst in den Seen um Füssen ihr Unwesen trieben, war der vom Weißensee der ärgste. Es gab sogar ein eigenes Gebet, das den Fischern und den angrenzenden Bauern half, wenn der Gefürchtete nach Jahren der Ruhe plötzlich wieder auftauchte. Begegnete man ihm bei Tage, wo war er nicht gefährlich, ja, er fürchtete sich dann sogar vor den Menschen. Man konnte ihn dann zuweilen beobachten, wie er, über und über mit Hechthaut bedeckt, langsam durch das Schilf watete, jedoch waren dabei seine Füße stets im Wasser; die Berührung mit dem Wasser war für ihn nämlich lebensnotwendig, so wie für die Menschen die Luft zum atmen. Bis zu seinen Knien reichte sein Bart. Verwickelte er sich manchmal mit den Fußkrallen darin, warf er sich ins Wasser und strampelte so wild, dass es aussah, als wollte er sich selbst den Kopf herunterreißen.

Mit seinen Barthaaren und einer Nadel, welche er sich aus einer harten Binse gefertigt hatte, nähte und flickte er dann und wann am Ufer, in der Sonne sitzend, sein zerrissenes Fischgewand und murmelte dabei unverständliche Sätze vor sich hin. Ein Bauer, der in der Nähe Heu wendete, will einmal dabei höllische Fluchworte verstanden haben, so dass er sich bekreuzigte und davonlief. Eine Weile zuvor war in dieser Gegen ein heftiges Unwetter niedergegangen, welches zwei Bauernhöfe vernichtet hatte. Man war später einhellig der Meinung, dass der Fluch des Wassermanns daran schuld war.

Noch im späten 18. Jahrhundert warfen die Anrainer in der Zeit um Ostern allerlei geweihte Gegenstände in den Weißensee um sich mit diesen Opfergaben vor Unwettern zu schützen. Noch dazu war man überzeugt, der Wassermann würde Menschen rauben. Gerade wenn ein Fischer im See einen vermeintlichen Riesenhecht zu entdecken glaubt und die Angel nach ihm auswirft, schallt ein teuflisches Gelächter über den See. Dann hat der Wassermann nämlich den Fischer an der Angel und zieht ihn samt seinem Kahn in die Tiefe. Selbst Kinder, so sagt man ihm nach, habe er schon vom Ufer weg mit sich auf den Seegrund geholt.





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