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Via Claudia Augusta - Die Römerstraße

zwischen Meran und dem Außerferner Zwischentoren







In römischer Zeit besaß also die Straße als Aufmarschroute des Militärs, als Handelsweg und zentrale Ader des Reiseverkehrs höchste Bedeutung. Sie war Grundlage für das Funktionieren der römischen Zivil- und Militärverwaltung.


Die Straße zwischen Meran und Augsburg


Die Strecke von Süd nach Nord in Bildern (Die Bilderreihe wird im Zuge eines kleinen Projektes stetig erweitert)



im Vinschgau


Die Bezeichnung der heute als Vinschgau bekannten Talschaft als westlicher Teil Südtirols wird von dem keltischen (?, rätischen) Volksstamm der Venosten abgeleitet (italienisch Val Venosta), welche zeitlich schon lange vor der Erbauung der römischen Heerstraße hier siedelten. Etwa im Schnalstal und am Tartscher Bichl bei Mals oder auch am Ganglegg oberhalb von Schluderns wurden Siedlungsspuren entdeckt und freigelegt, welche in ihren Anfängen bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Das am Tartscher Bichl ausgegrabene rätische Haus ist vermutlich Teil einer stadtähnlichen Ansiedlung aus der Zeit von etwa 400 v. Chr. welche aus mindestens 80 Gebäuden bestand.

Von bemerkenswerter Bedeutung und eine Exkursion wert sind dabei nicht zuletzt die steinzeitlichen Siedlungsspuren im Schnalstal, welche durch ihre Reste von Bauten bis in Höhenlagen der 3000-Meter-Marke auch auf einen regen Übergang über den Alpenhauptkamm hinweg hindeuten. Die Handelsbeziehungen beispielsweise in das heutige Baltikum konnte man auf Grund der Bodenfunde belegen. Auch Handelsgüter, die hier nicht ihren Endpunkt erreichten, sondern über die Jöcher weiter nach Norden gelangten, in die Gebiete nördlich des Alpenbogens in das Alpenvorland und mindestens in den Donauraum.

Über Mals - wo sich zu Zeiten der Römer eine Villa rusticae befand - gelangt man in weiterer Folge an die Malser Heide, dem flächenmäßig größten Schwemmkegel der Alpen. Schräg ansteigend, ist die antike Trasse noch heute erhalten und dient als Radweg, auf welchem man nach Burgeis gelangt. Bereits von weitem fällt einem die weiß leuchtende Abtei Marienberg oberhalb des Ortes auf, dem höchstgelegenen Benediktinerkloster Europas.

Im Bereich der Malser Heide (Multen) ist die historische Route der Via Claudia umstritten. Am wahrscheinlichsten gilt der Verlauf an der westlichen Talseite entlang der jungen Etsch, bis vor den Haidersee (Planta). Noch schwieriger wird die Verortung des Weges im Bereich St. Valentin. Im südöstlich gelegenen Dörfl (Montaplair) sollen sich Spuren einer römischen mansiones gefunden haben, jedoch wäre diese Linienführung im Hinblick auf die sonst übliche Trassierung eher ungewöhnlich. Auch die Stauung des Reschensees im Jahr 1950 hat wohl alle Spuren der römischen Kaiserstraße in diesem Bereich getilgt. An der Anhöhe des Reschenpass dürfte schließlich die tiefste Einsattelung als Übergang gedient haben, so wie auch die heutige Straße die alte Trasse nutzt.

valentin haidersee heidersee ortleralt-graun graun reschensee kirchturm

von Nauders nach Landeck


Die Feuchtwiesen des Stillenbaches umging die alte Straße an der östlichen Talseite (Fuhrmannsloch). Heute nutzt, wie so oft, der Radweg die alte Trasse und führt hinab nach Nauders. Östlich des Schlosses Naudersberg vorüber und hinunter in Richtung Ortsmitte, verliert sie sich durch Überbauung, tritt dann aber wieder an der Örtlichkeit mit dem Flurnamen Anger wieder in Erscheinung und quert danach geradlinig flach anschneidend die B180. Parallel zur modernen Fahrstraße kreuzt sie nach der ersten Kehre die Fahrbahn um am östlichen Talrand zum Schweinboden hinunter zu leiten. Im Talboden ist sie durch Überbauung durch die Gewerbebetriebe nicht mehr sichtbar.

Seit 2017 wird an der Wiederherstellung des wohl schwierigsten Teilabschnittes der antiken Route als Radweg gearbeitet, dem Weg zwischen dem Sperrfort Nauders und Altfinstermünz. Einem aus geologischer Sicht äußerst anspruchsvollen Vorhaben, kommt es an den Felswänden und den Schluchten westlich des Bazahlerkopfes doch immer wieder zu schweren Felsstürzen und Murgängen. Nicht von ungefähr kommt die alte, auf das rätoromanisch zurückzuführende Bezeichnung Vestmezia und/oder dem indogermanischen mintsja, was übersetzt bedrohlich emporragender Fels bedeutet.

Lange vor den Römern nutzen bronzezeitliche Gruppen die sonnenverwöhnten, südseitig ausgerichteten Terrassen südöstlich des Beckens von Landeck als Siedlungsraum. Funde aus der Zeit ab etwa 1800 vor Christus belegen dies anschaulich. Zeitgenössische Autoren nennen den illyrischen Stamm der Breonen als die in den Bergtälern lebende Volksgruppe.

In mehrfacher Hinsicht bemerkenswert erscheint dabei auf jeden Fall der Ort Fließ (Panorama der Gemeinde Fließ von der Fließer Platte im Westen bis zum Pillersattel im Osten), zwei Kilometer Luftlinie westlich der Pillerhöhe (siehe Infokasten unterhalb). Heute findet sich im Ort das Archäologische Museum Fliess, welches mit Exponaten aus der Bronze-, der Eisen- als auch der römischen Zeit aufwarten kann. Am Moosbruckschrofen etwa fand man 2001 ein mittelbronzezeitliches Depot mit über 350 Artefakten aus Bronze (ab etwa 1650 v. Chr.). Unter den zahlreichen Exponaten findet sich auch ein Kammhelm - der bisher älteste aufgefundene Helm Europas.

Weiters fand der Bauer Josef Kathrein beim Ausheben des Erdreiches für einen Bau direkt im Ort einen hallstattzeitlichen Bronzehort. Insgesamt 386 Gegenstände aus Bronze machen diesen Fund zu einem der bedeutendsten derartigen archäologischen Ereignisse im gesamten Ostalpenraum. Nicht zuletzt auch deshalb wird der Ort in Kreisen der Archäologie als Hot Spot angesehen.

Um die Engstelle am Inn kurz vor dem heutigen Landeck zu umgehen, ließen die römischen Geometer die Wegtrasse in die südseitigen Hänge aus dem Fangapill ansteigen. In großen Teilen ist die Originalstrecke noch heute im Gelände erhalten. Die meisten der Wegabschnitte werden selbst bis zum heutigen Tag im Zuge des bäuerlichen Alltags genutzt. Ab Fließ behält der historische Weg dabei immer in etwa die Höhenmarke von 1050 bis 1070 Meter ü.N.N. bei, leitet unterhalb von Eichholz in Richtung Hinterstrengen um dann kurz nach passieren des Kreuzangerles in das Steilgelände und zu der Fließer Platte zu gelangen. Von dem Fels wurde dort in antiker Zeit zunächst nur wenig abgetragen um eine Fahrspur für die römischen Wagen zu erhalten. Durch Erosion und Abnutzung waren erst viel später neue Trassierungen notwendig und so entstanden über die Zeit im Mittelalter mehrere solcher aus dem Fels gehauene Trassenstufen, welche jeweils darunter angelegt wurden.

Der aufmerksame Beobachter zählt heute mindestens drei davon - die oberste stellt demnach auch die älteste Trasse dar. Später im Schloßwald verläuft die VCA knapp unterhalb und parallel zum heutigen Forstweg. Im Bereich des sogenannten Walchenloch sind entlang des Streckenabschnittes noch vereinzelt Gleisrillen erkennbar, danach ist eine genaue Zuordnung durch die zahlreichen Forstraßen jedoch schwierig, schneidet aber eine Kehre derselben an um dann am Oberen Bödele mit dem Forstweg sich wieder zu vereinigen. Aus der Kehre leitet div VCA noch kurz nach Norden um dann in einer Schleife linker Hand gegen Südwesten abzuschwenken und knapp oberhalb der Waldkapelle in Richtung Schloss Landeck abzufallen.

Die Landecker Pfarrkirche dürfte sich also direkt an der antiken Wegführung befinden. Etwa im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus setzt entlang des Straßenzuges in Landeck die Christianisierung ein. Ein Taufbecken aus der Zeit um 430 nach Christi Geburt in der heutigen Pfarrkirche "Unserer Lieben Frau Himmelfahrt" belegt dies anschaulich.

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der Brandopferplatz am Piller Sattel

die Pillerhöhe


Schon in der Bronzezeit führten die Wege und Saumpfade über den Piller Sattel als Abkürzung über Wenns im Pitztal, da das Inntal bei Fließ nur schwer passierbar war. Erst mit dem römischen Ausbau der Pfade zur Kaiserstraße Via Claudia Augusta wurde der Straßenverlauf in Richtung Tal verlegt.

Der Brandopferritus am Opferplatz sah vorwiegend die Opferung von Schafen, Ziegen und Rindern vor. Dabei wurden jedoch nur die fleischarmen Teile der Tiere verbrannt, der fleischreiche Rest wurde wohl von den Festteilnehmern verzehrt. Offenbar herrschte die Vorstellung vor, dass das Feuer die Weihegaben entmaterialisieren und als Rauch zu den Göttern getragen würde. Dabei hat sich der Ritus über die 2000-jährige Nutzung des Opferplatzes mehrfach geändert.

Lagen zu Beginn noch Tiere auf dem Opferaltar, wandelte sich die Opfergabe später hin zu Schmuck, Trachtenbestandteilen oder Waffen. Teilweise wurden Keramiken oder Waffen auch rituell zerstört und in flachen Gruben im Bereich des Festplatzes deponiert. Viele Sachopfer wurden in die um den Opferplatz verstreut existierenden Felsspalten geworfen. Während der Römerzeit wurden bald nur noch Wertopfer in Form von Münzen in die Felsspalten eingebracht. Auch Votivschilde oder Trankopfer in Keramikschälchen wurden Göttern als Opfer dargebracht.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde mit der Ausbreitung des Christentums der Opferplatz am Piller aufgelassen und geriet daraufhin in Vergessenheit. Erst im Jahr 1991 hatten Kassian Erhart und Franz Neururer die alte Kultstätte wiederentdeckt.



von Landeck nach Imst


Von Zams (Perdann/Oberdorf) an den Hangfuß im Osten, leitet ein Weg entlang einem alten Obstgarten vorüber hin zu einem Wasserauffangbecken. Die Via Claudia passiert gleich im Anschluss einen Felsblock, welcher Spuren von Bearbeitung aufweist. Bald nach dieser Passage gelangt man an eine Weggabelung, wobei die obere - bereits verwachsene - Trasse wohl den alten Weg aus römischer Zeit darstellt. Eine Weiternutzung im Mittelalter bzw. der Neuzeit ist wahrscheinlich, da talseitig jeweils im Abstand von etwa fünf Metern Begrenzungssteine angebracht wurden. In der Ansiedlung Anreit ist die Altstraße von der modernen Fahrbahn überbaut. In der Kehre zweigt ein Weg ab, welcher möglicherweise die Römertrasse darstellt. Etwas weiter oben am Hang gibt es jedoch einen zweiten Hangweg, der ebenfalls für eine Nutzung in dieser Zeit in Frage kommt. Mit den ausgedehnten Parkflächen des Liftes westlich von Rifenal wurden auch die Fahrspuren der Via Claudia verwischt.

Von Riefenal herab leitet die Trasse als lange Hangtransversale nach Patscheid, einem Wiesenflecken zwischen dem Abhang des Zammerbergs und dem Inn. Heute kaum mehr erkennbar, senkt sie sich in regelmäßigem Gefälle bis vor den Burgfelsen, wo sich heute die Ruine der Kronburg erhebt. Dort nördlich unterhalb senkrecht abfallender Felsschichtungen ist noch ein Teilstück mit Karren-Geleisen sichtbar. Es treten hier Rillen aus der römischen Kaiserzeit, als auch solche aus dem Zeitraum des Mittelalters auf. Jene mittelalterlichen Spuren wurden zudem noch mit Trittstufen versehen.

Interessant scheint, weshalb die römische Straßenführung die Innquerung noch vor Erreichen des Mündungsgebietes des Starkenbaches vollzog und nicht etwa weiter innabwärts durchgeführt wurde. In Starkenbach selbst wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein Münzschatz gehoben, welcher ursprünglich wohl an die 200 römische Münzen fasste.

Via Claudia Augusta zwischen Zams und Anreitvia claudia augusta starkenbach inntal

zwischen Imst und Nassereith


Vom Imster Ortskern ausgehend der heutigen Thomas-Walch-Straße gegen Nordosten folgend, dürfte sich die antike Trasse etwa im Bereich des Radweges durch die Felder von Tarrenz, am kleinen Brenjursee vorüber, in Richtung Strad gezogen haben. Einen eindeutigen Hinweis zum Alter des Ortes Tarrenz birgt dabei der Ortsname selbst. Abgeleitet aus dem romanischen Torrens, würde daraus in die deutsche Sprache übersetzt der 'wilde Bach'. Der wilde Bach ist dabei eindeutig am Ausgang der Salvesenklamm zu suchen. In den Fluren südlich von Tarrenz ist von der einstigen Straße nichts mehr auszumachen, erst in Strad (abgeleitet aus dem lateinischen via strata, was soviel wie Pflasterstraße bedeutet) dürfte man sich wieder mit relativer Sicherheit auf der Altstraße befinden.

Seit 2010 werden auch archäologische Forschungen im Strader Wald betrieben. Die freigelegten Funde lassen den Schluss zu, dass es sich bei den direkt an der Via Claudia Augusta angrenzenden baulichen Überresten einst um eine Gaststätte (tabernae) gehandelt hat. Die Münzfunde lassen eine zeitliche Einordnung der Nutzung des Gasthauses zu und verlegen diese in das 2. bis in das 3. Jahrhundert nach Christi Geburt. Vorwiegend wurden an der 80m² umfassenden Fläche Öfen (sehr wahrscheinlich zum Backen des Brotes), viele Scherben von hochwertigem Gebrauchsgeschirr (Terra Sigillata-Gefäße sowie einzelne Exemplare von Terra Nigra-Schalen) und eine Vielzahl an Pfostenlöchern aufgefunden.

Auch im Bereich Dollinger-Lager (Gemeinde Tarrenz) konnten Archäologen der Universität Innsbruck einen spektakulären Fund freilegen, welcher auch in der Zeit der Römer seine Nutzung fand. Es handelt sich dabei um einen Brandopferpflatz aus der Eisenzeit und ein Quellheiligtum, aber auch Relikte aus der Bronzezeit (2200 v. Chr. bis 800 v. Chr.) und der Römerzeit (15 v. Chr. bis beinahe 600 n. Chr.) traten dabei zutage.



von Nassereith nach Biberwier


Der von Nassereith herleitende Straßenverlauf schwenkt unterhalb der mittelalterlichen Burg Fernstein orografisch rechts gegen Nordost und zieht am Ufer des Fernsteinsees knapp oberhalb des heutigen Forstweges in Richtung Samerangersee. In einem weiten Bogen leitet die Trasse um den See und in mäßiger Steigung als Hangweg hinauf zu der heutigen Fahrbahn. Bei der Ausweiche bzw. dem Parkplatz

Abbildung einer Hipposandale wie sie im Gemeindegebiet von Biberwier aufgefunden wurde
an der Brücke über den vom Schanzlsee herabstürzenden Bach ist die Trasse eigentlich nicht mehr auszumachen. Erst weiter oben, im südexponierten bewaldeten Hang tritt sie als Hohlweg wieder in Erscheinung. Abermals die neuzeitliche Fahrbahntrasse querend zieht die Altstraße gegen Osten in Richtung dem alten Fern hinauf.

Geleisrillen werden an einer Felsplatte sichtbar, welche aber aufgrund des Radabstandes von 90 cm in die Zeit der mittelalterlichen Nutzung fallen. Mit zunehmender Höhe geht der Hangweg in einen Hohlweg über, einige Meter oberhalb ist eine schwächer ausgeprägte, zweite Trasse zu erkennen. Diese zweite Trasse fällt allerdings auch in den Zeitraum der Nutzung als Salzstraße. Kurz vor Erreichen der römerzeitlichen Passhöhe gräbt sich der Hohlweg immer tiefer in den Hang. Teilweise sind hangseitige Stützmauern sichtbar und kurzzeitig verlaufen recht steile Kehren über eine Geländekante.

Von der Anhöhe des sogenannten 'Alten Fern' hinab sind im Grunde keine offensichtlichen Spuren der Altstraße mehr erkennbar. Jedoch wurde im Jahr 2003 eine Hipposandale (Pferdehufeisen) aus römischer Zeit aufgefunden und gibt so indirekt einen Hinweis auf deren Existenz.

Abschrift der Infotafel am "alten Fern"
Auch heute noch lauern auf den Alpenpässen Gefahren. Denken wir nur an Lawinenabgänge im Winter. Es ist auch einiges an Kraftanstrengung notwendig, wenn man sie sich aus eigener Kraft erarbeitet. In der Römerzeit waren die Strapazen und Gefahren noch größer und zahlreicher. Die Reisenden mussten mit Felsstürzen, überraschenden Gewittern, Muren, ... rechnen. Ein Reisebericht erzählt von herabstürzenden Eismassen, die ganze Reisegesellschaften in jähe Schluchten stürzten. Die Reisenden waren sich der Gefahren bewusst und waren dementsprechend froh, wenn sie oben angekommen waren. Sie dankten den Göttern und baten gleichzeitig um einen unfallfreien Abstieg - Merkur, den wendigen und listenreichen Gott des Handels, Herkules, der auf langen Wanderungen durch seine stetige Hilfeleistungen zum Beschützer der Passanten auf allen Straßen wurde und Epona, einer keltischen Göttin, die immer zu Pferd dargestellt wird. Den Christopheruskapellen an unseren Straßen vergleichbar entstanden auf allen Passhöhen Heiligtümer, an den Votivgaben wie Münzen, kleine Statuetten, Votivtafeln, ... zurückgelassen wurden. Auch am Fernpass hat sich mit ziemlicher Sicherheit ein Heiligtum befunden, Archäologen haben danach gesucht, sind bisher aber nur an einigen Orten auf Münzen gestossen...




Heute sind lediglich noch im Bereich des Weißensees eindeutige Spuren (wenigstens einer mittelalterlichen Nutzung) zu erkennen. Im Bereich Kohlstatt und entlang des heutigen Lärchenwegs finden sich keine offensichtliche Hinweise mehr, die auf die alte Römerstraße oder die Salzstraße hindeuten würden. Ebenfalls sind im Siedlungsgebiet von Biberwier diesbezüglich keine Zeugnisse mehr ersichtlich.

Geleisstraßen im Außerfern


An manchen Stellen der Via Claudia finden sich Geleisstrassen. Allerdings sind diese Geleisprofile oft nicht mit den römischen Wagen in Verbindung zu bringen, da der Spurbreitenabstand zu gering ausfällt. Klaus Wankmiller schreibt dazu in seinem Beitrag "Römische Straßenspuren im Außerfern": "..., die im Gegensatz zum mittelalterlichen Rillenabstand von genau 1 m eine Spurweite von 107 cm aufweisen...".Somit ist die in Biberwier aufgefundene Geleisstrasse am sogenannten "scharfen Eck", wie auch weiter unten erwähnt, nicht auf das Zeitalter der Römer zurückzuführen. Vielmehr wird diese Wagenspurvertiefung im Fels ein Hinweis auf die mittelalterliche Nutzung bedeuten.

Im Bereich Katzenmühle / Waldrast (bei Ehenbichl) habe es ebenfalls Spurrillen gegeben. Jedoch dürften auch diese heute nicht mehr sichtbaren Spuren viel eher mit der mittelalterlichen Nutzung in Verbindung zu bringen sein.


Mehrere Holzgebäude einer römischen Straßen- und Poststation (Pferdewechselstation, römische Reichspost [cursus publicus]), eine sogenannte mansiones, wurden im Laufe archäologischer Grabungen im Bereich zwischen dem Ortsteil Schmitte und dem Ortszentrum von Biberwier (Baubeginn wohl um 14 bis 37 n. Chr.), direkt am Verlauf der Via Claudia Augusta gelegen, freigelegt. Anhand der dort aufgefundenen Gebrauchsgegenstände konnten sich Handels- und Kulturbeziehungen zu Oberitalien, Südfrankreich, dem Rheinland und sogar bis in den Raum der Ägäis nachweisen lassen.

Im Falle der Station in Biberwier handelte es sich aber wohl um eine der kleineren Anlagen, welche in erster Linie dem Reit- oder Zugtierwechsel diente. Die größeren römischen Raststationen boten den privilegierten Reisenden darüber hinaus auch recht komfortable Beherbergungsmöglichkeiten, großteils mit Therme und nicht selten mit einem kleinen Heiligtum ausgestattet.



Durch das Lermooser Moos


Der Prügelweg (Bohlenweg) durch das Lermooser Moos veranschaulicht deutlich, dass die Straßenbauer aus römischer Zeit nicht versuchten eine Moorfläche zu umgehen, sondern mit großem bautechnischen Wissen eine 1,5 Kilometer lange Trasse schnurgerade durch das Moos anzulegen vermochten. Mit einer Trassenbreite von bis zu 8 Metern und einem etwa 1,7 Meter tiefen Fundament konnte auf ihr eine Legion problemlos durch die Moorlandschaft ziehen.

Speziell die im Moor erhaltenen Spuren wie Pollen oder Überreste von Kleinlebewesen und anderer unter Luftabschluss in die Torfschichten eingebetteten Artefakte geben Aufschluss über die Art und den Zeitpunkt menschlicher Landnahme und Landnutzung. So wurden beispielsweise Brandrodungen und erste Ackerflächen in der weiteren Umgebung für den Zeitraum ab etwa 1500 Jahren vor Christus durch die Pollenanalysen belegt.

Bis zum heutigen Tag ist dieses Straßendenkmal über die Grenzen Tirols hinaus einzigartig. In mehreren Grabungsabschnitten wurde die Trasse seit 1993 genauer erforscht und feldarchäologisch untersucht. Die früher für römischen Ursprungs gehaltene Geleisstrasse am sogenannten "Scharfen Eck" bei Biberwier konnte aufgrund ihrer Spurbreite von 1 Meter in das Spätmittelalter bzw. die frühe Neuzeit eingestuft werden.

römer legionäre bauarbeiter trajansäule

Ehrwald vor 2000 Jahren


teilweise übernommen von der Infotafel "die römerzeitlichen Funde" in Ehrwald
Seit 1954 wurden beim Bau von Privathäusern mehrere römerzeitliche Gräber entdeckt. Den archäologischen Untersuchungen zufolge handelt es sich bei den Bestattungen um jene der sogenannten Heimstettener Gruppe. Als Grabbeigaben dominieren bei dieser Gruppe gerade in den Frauengräbern massive Halsreifen, Armreifen, Sprossen-Gürtelhaken, große und kleinere Fibeln. Die zeitlich begrenzte Siedlungstätigkeit dieser Heimstettener Gruppe entlang der römischen Hauptverkehrsachse in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus lässt ein kurzes Wiederaufflammen keltischer Gebräuche und Riten erkennen.

Im angenommenen Siedlungsbereich in Ehrwald konnte sich diese Gruppe nach aktuellem Forschungsstand jedoch nur eine oder maximal zwei Generationen halten. Danach fehlen Hinweise auf eine Siedlungskontinuität in diesem Gebiet.


Von Lermoos nach Bichlbach


Aus dem Moos kommend leitete die Via Claudia einst direkt an den Fuß der Erhebung, welche heute die Kirche von Lermoos als weithin sichtbare Landmarke trägt. Von Süden kommend schwenkt die antike Trasse gegen Westen. Dabei hat sie vermutlich zwischen der heutigen Straßenkreuzung Biberwier / Ehrwald und dem Abzweig der Zufahrtsstraße zu den Parkplätzen der Grubigsteinbahn für etwa 300 Meter Wegstrecke den selben Straßenkörper genutzt wie die moderne Fahrbahn. Danach ging sie in die heute als "Alte Straße" bezeichnete Wegführung über, stets oberhalb des Riegelbaches bleibend. Erst ab der Höhe des Schwemmkegels des Tuftlbaches dürfte die Römerstraße das Bett des Riegelbaches gequert haben um dann in den Anstieg nach dem heutigen Untergarten überzugehen. Als lange Rampe durchschneidet sie den Hang und steigt bis etwa 1100 M.ü.N.N. an um dann in den Tobel des Gartner Tals zu leiten, wo der Bachlauf überschritten wird. Im Gegenhang führt eine weitere Steigung hinaus zu dem Lermooser Ortsteil Obergarten (1088 m). Die historische Trassierung verlief aber offenbar etwas tiefer und erreichte etwa bei der Kapelle von Obergarten den heutigen Straßenzug um gleich wieder ansteigend die Mulden und Halden im Nordwesten der heutigen Siedlung zu erreichen. Dabei gab und gibt es zwei recht gehörige Steigungen zu überwinden (> 17%) um den oberen Scheitelpunkt (ca. 1135 m) zu erreichen, bevor die als Wiesenweg sichtbare Straße sich wieder gegen Lähn hin absenkt. Durch Wald und über eine Lichtung gelangt die Straße zuletzt etwa 50 Meter westlich des Weilers Rautängerle im Talboden an um auch gleich den Riegelbach und die B179 Fernpassstraße zu überqueren und in nordwestliche Richtung auf den Kirchturm von Lähn zuzusteuern.

Die Lähner Dorfstraße dürfte sich in etwa mit der antiken Straße decken. Recht geradlinig fällt der Straßenzug dabei sanft gegen Westen ab um durch Wengle zu führen. Westlich des Dorfes folgt die historische Route zunächst dem Feldweg, welcher kurzzeitig parallel zu der B179 verläuft. Bei dem Anstieg auf den überwachsenen Schuttfächer des Thegetals schwenkt die Via Claudia etwas nach Nordwesten ab um den Kegel in sanfter Steigung und leicht ausholend zu überwinden. Der bezeichnende Bogen schließt zuletzt wieder in etwa an der heutigen Ortseinfahrt Bichlbach-Ost an den modernen Straßenverlauf an.

Via Claudia Augusta Obergarten bei LermoosVia Claudia Augusta bei Obergarten mit Mieminger Bergen im Hintergrund

Von Bichlbach zur Ehrenberger Klause


Von der westlichen Ortsausfahrt Bichlbachs entlang der alten Bundesstraße, welche heute als Zufahrt der Almkopfbahn genutzt wird, verlief auch die alte Via Claudia Augusta. Über dem Grundbach deckt sich der antike Verlauf mit der Zufahrt der Almkopfbahn, steigt zu der B179 an und überquert diese. Am höchsten Punkt der Anhöhe geht die Reichsstraße in einen doppelten Hohlweg über, welcher nördlich der heutigen Fahrbahn durch die Weidefläche verläuft. Den Grundbach passierend leitet sie nach Heiterwang hinein. Der historische Straßenzug würde sich damit annähernd mit jenem der alten Bundesstraße decken, zuletzt jedoch wohl eher etwas südlich davon verlaufen.

Auch ab Heiterwang verläuft die alte Trasse parallel zu der neuzeitlichen Straße und ist im Bereich der Auffahrt auf die B179 mit jener überbaut, lediglich an einer Ausbuchtung der Felsen kommt sie am südwestlichen Abhang des Gschwendtkopfes kurzzeitig zum Vorschein. Wieder deckungsgleich mit der neuzeitlichen Trasse, führt die alte Via Claudia über die heute asphaltierte südliche Zufahrt zu der Ehrenberger Klause hinab.

Trasse der Via Claudia Augusta westlich von BichlbachHohlweg Via Claudia Augusta bei Heiterwang





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