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Via Camboduno

römische Verbindungsstraße zwischen Reutte und Kempten



Der vermutete Verlauf


Allgemein wird angenommen, dass vom Hauptstrang der Via Claudia Augusta zwischen Reutte und Pflach ein Seitenweg der römerzeitlichen Kaiserstraße in Richtung Kempten abzweigte. In manchen Quellen wird die Möglichkeit einer Furt in Betracht gezogen, welche im Bereich des sogenannten "Mange Sessele" das westliche Lechufer erreicht haben könnte. Von dort ausgehend gibt es speziell bei Oberletzen und auch südlich des Wiesbichls´ zahlreiche Hinweise auf die römerzeitliche Straße.

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In gerader Linie führt die angenommene Trasse durch die Roßschläg hindurch, bis zum Musauer Ortsteil Brandstatt. Nachdem die spätantike Straße den Sababach überquert hatte, richtete man sie auf die Lücke zwischen Ranzen (nördlich) und Galgenberg (südwestlich) aus, wo sie am tiefsten Punkt diesen Einschnitt passierte und scharf südlich des "Ranzenhofes´" den Stadtkern beim Oberen Tor von Vils ansteuerte. Zu Beginn etwa 60 Meter südlich der B309 vereinen sich die antike und moderne Trasse spätestens bei Schönbichl.

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Durch großflächige Überbauungen ist heute vom Verlauf der Strecke nichts mehr erkennbar. Mit einiger Wahrscheinlichkeit passierte sie das Hörndle östlich der heutigen Pfarrkirche, ebenso wie sie den Josberg östlich umlief. Mehr oder weniger geradlinig steuert die antike Trasse die heutige Nesselwanger Kirche an und nutzt eine kurzzeitig ansteigende Mulde um sich auf das darüberliegende Geländeniveau empor zu schwingen. Durch Gschwend hindurch, leicht gegen Westen ausholend, senkt sich der Verlauf gegen die Wertach ab um mittels einer Brücke dieselbe zu überwinden. Der heute als Römerbrücke bekannte Bau stammt nachweislich aus dem Hochmittelalter, jedoch ist es einigermaßen wahrscheinlich, dass sich an selber Stelle - oder zumindest im nahen Umfeld - ein antiker Brückenbau befand.

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Der Fortgang der Strecke im Bereich des Rottachmoos´ ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Jedoch ließen sich zwischen Oberzollhaus und Schlechtenberg Spuren der römischen Trasse feststellen.

Ausserferner Nachrichten vom 23. Juli 1955
"...bereits im vergangenen Jahr wurde bekannt, daß Dank der 25jährigen Forschung des Studienprofessors [Dr. Richard Knussert] aus Hohenschwangau eine Lücke in der Karte des römischen Straßennetzes geschlossen werden konnte. Dr. Knussert fand nämlich den bisher unbekannten Verlauf des Straßenstückes zwischen der Ehrenberger Klause und Kempten, die einst von der Via Claudia abzweigend, die Verbindung nach Campodonum darstellte. Der Heimatforscher fand Teile der Römerstraße, die bei Roßschläg in die heutige Fahrstraße einmündet. Nach "Der Allgäuer" sieht Doktor Knussert den weiteren Verlauf südlich des Ranzenberges entlang, also in dem Taleinschnitt zwischen Musauer Berg und der Anhöhe südlich der Ulrichsbrücke, nach Vils.

Die Römerstraße erreichte das heutige Vils in seinem bergwärts gelegenen Teil, etwa 400 Meter westlich der heutigen Fernverkehrsstraße. Dr. Knussert stellte fest, daß in Vils die Überlieferung an die Römerstraße sehr lebendig geblieben ist. Alte Leute erinnern sich noch daran, daß bei Bauarbeiten im oberen Ort unter der auf der Römerstraße liegenden heutigen Straße in etwa 40 Zentimeter Tiefe ein Knüppeldamm zum Vorschein kam. Zwischen Vils und Schönbichl verläuft die Römerstraße 50 bis 80 m westlich der heutigen Fernverkehrsstraße..."





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