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Tannheim

d' Höf


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Bezirk Reutte

Region: Tannheimer Tal


erste urkundliche Erwähnung: 1342 - Tanhaim
Fläche: 51,30km²
Höhe: 1097m
Ortsteile: Oberhöfen, Unterhöfen, Schmieden, Bogen, Geist, Bichl, Wiesle, Kienzen, Achrain, Untergschwend, Kienzerle, Berg, Innergschwend
Seen: Vilsalpsee, Traualpsee

Tannheim - der Hauptort des Tannheimer Tals

Allgäuer Einfluss


Vermutlich wurde der westliche Teil des Tannheimer Tales schon vor dem 13. Jahrhundert unter den Grafen von Montfort zu Rot(h)enfels - mit Herrschaftssitz in Immenstadt - von Bewohnern des Ostrachtales als Alpe genutzt. Am Übergang in das 14. Jahrhundert dürften die vormaligen Alpen dann als Dauersiedlungen ausgebaut worden sein. Der Überlieferung zufolge gelten Berg und Innergschwend als erste festen Siedlungsplätze von Tannheim.

Noch bis vor wenigen Generationen wurde eigentlich selten die Ortsbezeichnung Tannheim benutzt, sondern wesentlich öfter als 'i di Höf' genannt. Als Hof wird auch heute noch häufig im Umfeld der Alpwirtschaft der Sammelplatz der Weidetiere auf zumeist ebener Fläche bezeichnet.

Die Allgäuer Vorherrschaft endete erst zur Mitte des 15. Jahrhunderts, als die Habsburger immer mehr Grundbesitz erwarben. Speziell die Herren von Burgberg veräußerten große Teile ihrer Besitztümer im Tannheimer Tal an Herzog Friedrich IV. von Österreich.

1477 verkaufte Jörg von Heimenhofen seinen Anteil am Vilsalpsee und die Taverne zu Tannheim (heute das Hotel Ritter) an das Bistum Augsburg. Nur acht Jahre später erwarb Erzherzog Sigmund diese Güter und verleibte sie der Pflegschaft Ehrenberg ein.

Kirchengeschichte



Pfarrkirche St. Nikolaus


'Das Jüngste Gericht' - Deckenfresko der Pfarrkirche St. Nikolaus in Tannheim
Durch die Besiedlung aus dem Raum Sonthofen und Ostrachtal gehörte die Bevölkerung jener Orte westlich des Haldensees der Pfarrei Sonthofen an. Der Kirchgang gestaltete sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts dadurch als langwieriges Unterfangen, wenn es daran ging den etwa 6-stündigen Marsch (einfach!) zu dem kleinen Kirchlein in Liebenstein - zwischen Hindelang und Sonthofen gelegen - zu absolvieren. Gerade in der Winterzeit dürfte dieser Umstand zu unsäglichen Mühen geführt haben, woraufhin 1377 eine eigene Pfarrei Tannheim gegründet und mit dem Bau der ersten St. Nikolaus-Kirche begonnen wurde.
"...weil im Winter selbst junge Leute in diesem Tal nicht immer im Stande waren, den weiten Weg nach Sonthofen zurückzulegen und dort dem Gottesdienste anzuwohnen..." [1]
Als erster Kapellenbau im Ort gilt St. Leonhard bei dem Weiler Berg, welcher schon vor 1377 bestanden hat.

Die Martins-Kapelle in Innergschwend wird 1450 erstmals erwähnt. Über Jahrhunderte wurde dort, speziell in der Zeit der Salzstraße, der Segen für die Pferde erbeten.

Ein Erdbeben erschütterte 1572 das Tal, schwerere Schäden sind aber nicht überliefert. Die Erde bebte dann noch einmal um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Es mag wohl kleinere Bruchschäden gegeben haben, große Schadensfälle sind jedoch nicht bekannt geworden

Ein Blitzschlag in den Turm der alten Nikolaus-Kirche am 28. Juni 1721 beschädigt diese so schwer, dass man sich letztendlich zu einem umfassenden Neubau entschließt. Die Bauten zweier Alt-Kapellen am selben Standort (St. Michael und St. Anton) werden dafür ebenfalls abgerissen.

Die Pfarrkirche von Tannheim basiert in ihrem Grundriss auf dem Dom zu Innsbruck und ist nach Neustift im Stubaital die zweitgrößte Landkirche innerhalb der Diözese Innsbruck. Sie wurde zwischen 1722 und 1729 von Andreas Hafenegger aus Haldensee erbaut [2]. Das Geläute mit vier Glocken stammt aus der Glockengießerei Peter Löffler. Auch das Kircheninnere wurde großteils von heimischen Handwerkern gestaltet.

alte Gaststätten zur Zeit der Salzstraße


In Kienzen befand sich das einstige Wirtshaus "Zur Krone", das Gasthaus "Zum Wilden Mann" (auch "Baumwirtschaft" oder auch Wirtschaft "Zum Grünen Baum" genannt) im Ortszentrum ist heute als "´s Höfbräuhaus" (Montfort-Haus) bekannt.

"...das Brau- und Gasthaus des Johann Müller ist deßwegen merkwürdig, weil es einst ein Eigenthum der Grafen von Montfort war, die sich hier öfter mit der Jagd belustigten..."
Tirol und Vorarlberg, Johann Jakob Staffler (1841)

Die heute 'Hotel Ritter' genannte Taverne befand sich im Besitz des Bistums Augsburg. Daneben befanden sich im Ort auch noch zwei Braugasthäuser, das 'Goldene Kreuz' und das 'Weiße Rössel'. Letztgenannte Wirtschaft wird aber schon lange nicht mehr betrieben.

Dingstuhl


Im ausgehenden Mittelalter wird für Tannheim ein Dingstuhl genannt.

die Pest


Der Dreißigjährige Krieg und seine Soldaten brachten den Tod auch in Form der Pest mit sich. So wird berichtet, dass annähernd zwei Drittel der Bevölkerung durch die Seuche hinweggerafft wurden. Die Tannheimer Pesttoten wurden auf den Leiterwagen, auf denen üblicherweise der Dung auf das Feld ausgebracht wurde, zu dem heute aufgelassenen Friedhof bei der St. Leonhardskapelle verbracht und dort begraben.

Dem Grauen des Krieges folgte schon bald eine katastrophale Hungersnot. Ab 1621 schnellten die Lebensmittelpreise in die Höhe, es war nicht mehr möglich die Bevölkerung ausreichend zu ernähren. Der Überlieferung zufolge galt der Kaufpreis eines Kronenthalers für eine einzige Maus als nicht selten. In größter Not starben die Leute mit Büscheln von Gras zwischen den Zähnen.

auf Wanderschaft


Auszug aus dem Buch Uiber die Tiroler von Joseph Rohrer (1796)

Tannheim mit den Gipfeln des Gimpels und der Roten Flüh

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das Reichsarbeitsdienstlager (RAD) bei Tannheim, Abbildung am ehemaligen Standort

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Hochwasser an der noch unverbauten Vils
"...der aus dem Gerichte Ehrenberg wandernden Tiroler. Man rechnet die Summe der alle Jahre im Frühlinge abreisenden Ehrenberger auf nicht weniger als sechzehnhundert Köpfe - welches freylich unglaublich scheint, bis man sich selbst überzeugt hat, daß z.B. nur aus der einzigen Pfarrey Tannheim alljährig 200 Seelen durch 8 Monathe abwesend sind. Die oft 60 Mann starke Reisegesellschaft besteht aus Maurern, Zimmerleuten, Stuk(k)aturarbeitern, Vergoldern und Baumeistern..."

Nationalsozialismus


Abschrift der Infotafel am Standort des Lagers bei Berg
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 wurde in Tannheim ein sogenanntes Reichsarbeitsdienstlager errichtet. Die Arbeiter dieses Lagers wurden u.a. beim Bau des Sportplatzes im "Geister Wäldle" und zur Vilsbegradigung in Tannheim herangezogen. Das Lager befand sich am Weg zwischen der Fraktion Berg und der Fraktion Innergschwend. Die Baracken wurden im Sommer 1945 von der französischen Besatzung abgebaut und abtransportiert. Heute sind an dieser Stelle nur noch ein paar Stufen zu sehen...

...der RAD wurde für verschiedene Zwecke eingesetzt. Vor dem Zweiten Weltkrieg befasste er sich mit Forst-, Kultivierungs-, Deichbau- und Entwässerungsaufgaben sowie Tätigkeiten in der Landwirtschaft.


Lawinenunglück


Am 9. Mai 1975 ging von der dem Geierköpfl nördlich vorgelagerten Bergflanke - die Blaich genannt - eine Lawine ab, schleuderte dabei 5 sich auf dem Fahrweg befindliche Menschen in den Vilsalpsee und begrub diese unter sich. Erst 5 Wochen später, als der Lawinenkegel sich langsam im Seewasser auflöste, kam der letzte Leichnam zu Tage. Heute erinnert ein Gedenkstein an dieses tragische Ereignis.

Felssturz am Vilsalpsee


Am 7. November 2012 gehen am Ostufer des Vilsalpsees mehr als 100.000 Kubikmeter Fels und Geröll als Felssturz nieder, wobei die Gesteinsmassen einen ganzen Wald unter sich begraben.

dazugehörige Themen


  • Wanderung durchs Tannheimertal von Anton Klotz (1909)

  • Nächstgelegene Orte



    Sagen


    Das Bogener Ungeheuer
    Die drei verwunschenen Jungfrauen in der Weißen Wand
    Die schlafende Armee
    Die St. Leonhardskapelle bei Tannheim
    Die Strafe für einen Fluchenden

    Bilder


    Gasthaus Vilsalpsee um ca. 1900 - Heimhuber

    Einzelnachweise


    1. Geschichte des Allgäus, Ludwig Baumann (1883); Bd. 2, S. 450
    2. Der alte Bezirk Reutte (S. 139)





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    Der Drache im Urisee bei Reutte / (Sagen)
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