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Schalensteine

und Felsritzungen




abri burgschrofen loch
die Felsplatte mit den Schalensteinen von Schloss Loch

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die Schalensteine im Schloss Loch

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der sogenannte Mang-Tritt bei der Lechschlucht

schalenstein fließ philomena-kapelle via claudia augusta
Schalenstein bei Fließ

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natürlich entstandener Schalenstein
bei Schonach (Schwarzwald)

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Der Runenstein am Eingang zur 'Hölle'
Pflerschtal (IT)

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Megalithgrab nahe Wutöschigen (DE)
Schalensteine sind Steine mit napfförmigen, aber auch unregelmäßigen Vertiefungen, welche sowohl auf natürlichem Weg entstanden, als auch von Menschen eingearbeitet worden sein können. Im Volksmund kennt man sie meist unter dem Namen 'Opfer-, Teufels-, Heiden- oder Hexensteine', im 19. Jahrhundert auch als Votiv- oder Zeichensteine benannt.

Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Deutungen der ursprünglichen Nutzung solcher Steine nach wie vor höchst umstritten. Zwar finden sich dieselben in ältester Zeit häufig in Verbindung mit Bestattungen, aber viele andere Exemplare schließen eine solche Nutzung aus. Gerade im alpinen Bereich werden die Schalensteine eher kultischen Zwecken zugeschrieben. Hin und wieder wird darin auch ein astronomisches Werkzeug zur Ermittlung kalendarischer Daten vermutet. Letztlich bleiben aber die allermeisten der Zweckbestimmungsversuche bloße Spekulation.

In der Verwendung als Deckplatten bei Bestattungen sind bereits aus der Zeit von 40.000 v. Chr. erste einzelne Exemplare bekannt. Ein zahlenmäßiger Anstieg solcher Steine erfolgt danach erst im Mesolithikum. Den Höhepunkt in der Schaffung jener megalithischen Gebilde verortet man allgemein aber ab dem Neolithikum, möglicherweise als Begleiterscheinung der sich etablierenden bäuerlichen Kultur und der sich dadurch verbreitenden Megalithgräber (Dolmen). Auch durch die Bronzezeit hindurch bis in die späte Eisenzeit (vom 4. bis in das 1. Jahrtausend vor Christus) entstehen viele der von Menschen erschaffenen Felsgebilde.

Für die durch Menschen geschaffenen Schalensteine in Nord- und Südtirol gilt nach Meinung hiesiger Forscher fast durchweg, dass sie an sonnigen Hängen und aussichtsreichen Punkten in den Fels eingearbeitet wurden [1] - oft an alten Wegtrassen. Dennoch gibt es sie aber auch in Schluchten und weitläufigen Almgebieten, als auch in Höhenlagen bis etwa 2800 Metern im Hochgebirge.

Natürlich entstandene Schalensteine


Die Ausbildung natürlicher Schalensteine hingegen erfolgt oft durch die Verwitterung des Gesteins, also der chemisch-biologischen Entstehung von Oberflächenstrukturen inhomogener oder unterschiedlich geschichteter Gesteine. Besonders in europäischen Mittelgebirgen, wie etwa dem Schwarzwald, sind viele solcher Schalensteine etwa aus verwittertem Granit und Sandstein bekannt. Eine im alpinen Bereich sehr häufige natürliche Form der Abtragung durch Erosion stellt demgegenüber die mechanische Tätigkeit des Wassers dar, welches vor allem beim Abschmelzen der Eisflächen am Ende der letzten Eiszeit seine oberflächen- und landschaftsprägenden Eigenschaften entfaltete.
Sogenannte Strudeltöpfe und Gumpen (Kolke) finden sich im Bett von Fließgewässern oder den Uferwänden und entstehen durch die Dynamik des Wassers, wobei in Fließrichtung befindliche Hindernisse umspült werden und unmittelbar nach dem Hindernis starke Verwirbelungen entstehen. Vom Wasser mitgeführte Sandkörner und Steine wirken dann nach dem Prinzip eines Sandstrahlers auf den Untergrund ein und weiten die kleinen Kolke im Laufe der Zeit zu großen Gumpen aus.



Schalensteine und das Christentum


Im Mittelalter scheint es eine Renaissance der Schalensteine gegeben zu haben. Zumindest finden sich dazu erste schriftliche Überlieferungen. Aus Sicht der an Einfluss gewinnenden Kirche waren solche Praktiken rund um die Vertiefungen in Felsplatten nämlich verpönt, da sie einzig und allein dem Heidentum zugerechnet wurden. Schon im 4. Jahrhundert soll im Konzil von Arles die christliche Glaubensgemeinschaft gegen die 'Steinanbeter' gewettert haben. Der bekannteste Missionar im Frankenreich, der Missionserzbischof Bonifatius schrieb im 8. Jahrhundert: "...welche auf Steinen opfern, oder an Quellen und Bäumen sind zu bestrafen..."

Letztlich erwirkte die Kirche eine Umwandlung der Kultplätze zu Wallfahrtsorten. Was ja durchweg gängige Praxis war, alte heidnische Örtlichkeiten zu christlichen Zentren umzudeuten und damit an alte Traditionen anzuknüpfen. So wollte man den Menschen den Wechsel hin zum neuen Glauben so leicht wie möglich machen.

Felsritzungen


Im Nahbereich einiger Schalensteine finden sich auch Ritzzeichen bzw. Felsritzungen, deren Alter oft durch die dargestellten Symbole etwas genauer eingegrenzt werden kann. Manchmal sind es Sonnenräder, Swastika oder Kreuze, die in den anstehenden Fels eingearbeitet wurden.

Deutungsmöglichkeiten von Schalensteinen




Literatur


  • Schalensteine auf Wikipedia
  • Was sind Schalensteine? - Illustrierte Dokumentation über Schalensteine; Urs Schwegler 2016 (PDF)
  • Geheimnisvolles Tirol - Mystisches, Magisches und Mysteriöses; Siegfried Weger, Reinhard Hölzl - Löwenzahn-Verlag (2007)


  • Einzelnachweise


    1. Fachartikel 'Jahreszeitenberechnung mit Schalensteinen' von Franz Neururer (2016)





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