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Pflacher Hüttenwerke

im Lettenbachtal und am Steineberg




Darstellung des historischen Bergbaus auf dem Annaberger Bergaltar von 1522


Das Eisenbergwerk im Lettenbach- und Klemmtal


Es wird allgemein angenommen, dass dem Messingwerk von Pflach ein eisenverarbeitender Betrieb vorausging. Ja, mancher Auffassung zufolge sogar, dass dieser in die Zeit des 8. Jahrhunderts zurückreichte und bis 1500 bereits wieder verfallen war um dann erneut als Abbaugebiet in den Fokus zu rücken. Im Franziszeischen Kataster aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wird im Talboden des Klemmtals im Griaschwald noch ein Bauwerk, vermutlich des einstigen Bergwerks, dargestellt.

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"...Kaiser Heinrich VI. bestätigt 1189 den Prämonstratensern von Steingaden "die Eisenadern, die man im Volke Bergrecht nennt..."
1509 wird von bereits verfallenen Eisenschmieden berichtet
aus Erlebnis Außerfern - Hannes Gasser

Das Messinghüttenwerk


Kaiser Heinrich VI.
Kaiser Heinrich VI.

Wappen der Höchstetter
Wappen der Höchstetter

Hüttenkapelle, Skizze
Ansicht der Hüttenkapelle 1875
(Ulrichskapelle)
"...im Süden des Dorfes, unfern der Einmündung des Archbaches in den Lech steht die Hüttenmühle für die ehemals hier bestandenen Schmelzwerke, und dabei auf einem freien Hügel die Hüttenkapelle in gothischer Bauart, errichtet 1515 aus Dankbarkeit für den reichen Segen des Blei- und Eisenbergwerkes, am Erzberge im Westen, und am Säuling im Osten..."
Tirol und Vorarlberg; Johann Jakob Staffler (1841)

Ab 1509 beginnt der Aufstieg des Messinghüttenwerks in Pflach. Kaiser Maximilian stellt der Familie der Hoechstetter, einer Augsburger Handelsfamilie (Patrizier) mit Verbindungen zu den Fuggern, die Befugnis aus, am Archbach im Gebiet des Steineberges eine Messinghütte und eine Schmiede zu errichten, "wo zuvor die Eisenschmieden standen". Schon bald erwuchs daraus der bedeutendste Betrieb seiner Art in Westösterreich.

Am 13. Dezember 1509 wird an die Brüder Georg, Hans und Ambros Höchstetter der Lehensbrief verliehen. In Pflach wird ihnen eine Hofstatt bei der Arch überlassen, um Schmelzhütte, Schmiede, Haus, Kohlstatt und Holzlege einzurichten und die Holzrechte am Zwieselbach und am Zwieselberg zu nutzen. Den Augsburger Brüdern wird die Schmelzhütte gewährt, da sie auch zum Nutzen des Bergwerks in Schwaz geeignet ist. Die Errichtung der Hütte samt Wasserfall erfolgt an der Stelle der abgebrochenen Eisenschmiede am Steinberg am Rain. Die Holzbringung soll durch Klausen, Kieswerk, Flößen und Treiben erfolgen, doch darf nichts außerhalb des Gerichtes Ernberg verkauft werden. In der Hütte darf geschmolzen, Kupfer geschmiedet und Messing gemacht werden. Der Wasserfall ist so anzulegen, dass die Flößer jederzeit durchfahren können.

Der Vertrag von 1509 scheint jedoch nur unzureichend durchdacht zu sein. Schon 1513 kommt es aufgrund von Streitigkeiten um die Holznutzung, infrastruktureller Bauten und das Flößen zu einem Vergleich zwischen den Höchstettern und den Bürgern von Breitenwang. Der Streit um die Holzrechte war ein stets wiederkehrendes Problem der Messinghütte.

Das Kupfer beschaffte man im Unterinn- und dem Ahrntal (wo die Höchstetter zuvor tätig waren). Das Galmei (silikatisches und karbonatisches Zinkerz [1]) fand man in den Bergen rund um den Fernpass und an der Heiterwand in den Lechtaler Alpen. Die notwendigen Mineure und Bergarbeiter kamen aus der Fremde. Durch die Spezialisierung der Arbeiter in dem Hüttenwerk hatten diese bald eine besondere Machtposition inne und weigerten sich offenbar, einheimische Arbeiter anzulernen. Man sah sich genötigt, an den Landesfürsten eine Bittschrift zu richten, in der um ein ernstliches Mandat ersucht wurde, mit dem die widerspenstigen Messingmeister und -gesellen wieder zur Vernunft gebracht werden sollten.
G. Mutschlechner und R. Palme, Das Messingwerk in Pflach bei Reutte; Innsbruck 1976

Im November 1514 kommt durch Verhandlungen des Kaisers Maximilian I. und dem Haus Fugger ein Vertrag zustande, welcher die Kupferlieferungen von Schwaz nach Pflach bis zum Jahr 1519 regeln soll. Die vertragliche Abwicklung der Lieferungen des Kupfers aus dem Tauferer Tal erneuerte man im Jahr 1520 auf weitere fünf Jahre.

1515 lassen die Höchstetter aus Dankbarkeit für den reichen Segen des Blei- und Eisenwerks am Erzberg im Westen und am Säuling im Osten, am 'schroffigen Bichl' die sogenannte Hüttenkapelle in spätgotischer Bauart und Unterkünfte für die Schmelzer, sowie Stallungen errichten.

Der florierende Betrieb konnte auch bald die Transporte der hergestellten Waren nicht mehr alleine stemmen, weshalb - ähnlich der Salzrod - auch eine Rodfuhrordnung für das Messing aus Pflach eingeführt wurde. Vor allem die einheimischen Fuhrleute sollten dadurch Lohn und Arbeit bekommen.

Der kaiserliche Hofkammerrat und Faktor des Höchstetterischen Messinghüttenwerks David Hag (Hagen) kauft von Heiterwang den Wald am 'Taurer See im Gericht Ehrenberg' um 6000 fl für das Hüttenwerk 'am Stainenberg' in Pflach. Holz war aber für die Gewerke dieses metallverarbeitenden Betriebs immer ein rares Gut. Weshalb auch über die Jahre immer wieder Streitigkeiten um die Rechte am Wald und der Holznutzung entbrannten (1528).

Diese Streitigkeiten beschränkten sich jedoch nicht allein auf Wald und Holz, sondern griffen auch auf den Bereich der Zulieferung der Grundversorgung (Lebensmittel) über. Der Verwalter Georg Hagen hatte den Anschuldigungen der Beschwerdeschrift zufolge vorwiegend die Dienste von außerhalb der Herrschaft Ehrenberg tätigen Bäckern, Metzgern und Fuhrleuten in Anspruch genommen. Die Klage wurde jedoch abgewiesen, was jedoch den Unmut der Bürger des Dekanats Breitenwang weiter befeuerte.
Eine Gegenklage der Höchstetter bringt das Fass schließlich zum Überlaufen. So sollen die Bürger von Reutte und Breitenwang widerrechtlich Holz aus den Wäldern im Widdereggbachtal entnommen haben, um es als Flöße außer Landes verkauft zu haben.

Bei einer Anhörung zu den Vorwürfen sagen der Bürgermeister von Reutte, Georg Rauscher, und der Hans Burckhart als Anwalt der Bürger von Reutte sinngemäß aus, "daß die Wälder nicht den Höchstettern, sondern dem Landesfürsten gehören, zweitens, daß die Höchstetter nur Rechte an einem im Zwieselbachtal gelegenen Wald hätten, drittens, wenn auch der kaiserliche Lehensbrief von Wäldern im Zwieselbachtal spricht, so können damit unmöglich jene Wälder gemeint sein, in denen man nicht flößen könne, und viertens, daß die ersten drei Berge auf der rechten Seite der Ach, nämlich der Durnperg, der perg Puchelstain und volgends ain perg, Gerenpachtal genant, 'eingemeindet' seien."
Weiters klären die beiden Männer der Reuttener Obrigkeit die Höchstetter auf, welche Waldungen ihnen zur Verfügung stehen würden und sollte ihnen dieses althergebrachte Holznutzungsrecht verboten werden, müßten die Untertanen von Reutte vielfach Weib und Kinder verlassen und sich in der Fremde verdingen. [2]

Probleme ergaben sich aber auch durch die Arbeiterschaft innerhalb des Messingwerks. Angestellt waren vorwiegend ortsfremde Fachkräfte, welche zuvor in anderen Bergbaubetrieben wie etwa Schwaz, Hall oder Taufers im Dienst standen. Diese Arbeiter wollten unter sich bleiben und weigerten sich ihr Wissen an einheimische Arbeitnehmer weiter zu geben.
1524 erging deshalb ein Schreiben von den Höchstettern an den Landesfürsten, worin sie den Mangel an Arbeitern bedauern, da die Betriebsleute keinen Einwohner oder Landmann der Grafschaft Tirol beschäftigen oder gar anlernen wollen.

Sie merken auch an, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Messinghütte unter diesem Umstand leide und somit auch geringere Abgaben an den Landesfürsten zu befürchten wären. Als Gegenmaßnahme schlagen sie ein 'ernstliches Mandat unter Androhung schwerer Strafe und Pein' vor, welche im Bedarfsfall tatsächlich durch den Pfleger von Ehrenberg zu vollstrecken wäre [3].

Die Höchstetter geraten indes in Zahlungsschwierigkeiten, da vor allem Ambros sich ab etwa 1525 an hochspekulativen Geschäften beteiligt und letztlich die ganze Unternehmerfamilie in den Ruin stürzt. Ambros wird 1529, um die Gläubiger zu beruhigen, gefangen genommen. In den Jahren 1530 und 1531 wird über die Höchstetter Gericht gehalten. Bereits durch den Verlust der Anteile an den Schwazer Gruben 1528 und dem Zinslehen Burgwalden 1529 geschwächt, konnten sie die Mittel für das Pflacher Messingwerk nicht mehr aufbringen. 1533, am Ende des Prozess, wird schließlich dem mutmaßlichen Mitgläubiger und zuvor als Verwalter tätigen Georg Hagen das Messinghüttenwerk in Pflach aus der Konkursmasse heraus durch den Landesfürsten verliehen.

Georg Hagen dürfte um etwa 1545 verstorben sein. Die Witwe Hagens heiratete daraufhin Paul Trösch, einen Anhänger der Schmalkaldischen Bewegung, was ihn als neuen Eigentümer des Messinghüttenwerks nach dem Einfall der Schmalkalden in Tirol (1546) auch vor einige Probleme gestellt haben dürfte. Die wirtschaftlich positiven Aspekte dürften jedoch überwogen haben, als man am 11. März 1547 die Bewilligung für den Betrieb der Messinghütte an Trösch erteilte.

Ende 1557 stirbt Paul Trösch und das Messingwerk geht an seine Stiefkinder, den Kindern Georg Hagen's, über. Am 28. August 1568 bestätigt der Tiroler Landesfürst Erzherzog Ferdinand II. dem David Hagen den Lehensbesitz des Pflacher Hüttenwerks.
David war wohl recht strebsam und ein fähiger Unternehmer, da das Messinghüttenwerk unter seiner Führung zu neuer Blüte gelangte. Über die Jahre wurde er darüber hinaus zum Hofkammerrat erhoben und verwaltete im Dienst der Habsburger die Regalieneinnahmen der ungarischen Bergstädten. Er hielt sich überwiegend in Wien auf.
Für das Pflacher Werk wurden ab 1570 zahlreiche Grundstücke zugekauft. Bei den Zukäufen von Wald und Holz treffen die von Hagen jedoch wieder auf den Widerstand der Gemeindeleute von Reutte. Einen Streit über unrechtmäßige Holzschlägerungen wollen beide Seiten schon beilegen, als der Verwalter des Messingwerks, David Ulstet, noch während der Verhandlung öffentlich davon spricht, dass beim Landesfürsten um Verleihung von noch mehr Wald für das Hüttenwerk angesucht würde.

Der langsame Niedergang des Messingwerks


1574 wird eine Inventur des gesamten Komplexes vorgenommen um die Wirtschafts- aber auch Abgabenleistung zu bemessen. David Hagen starb wohl um 1600. Als Nachfolger trat sein Sohn Rudolf Hagen in die Fußstapfen des Vaters, jedoch trachtete Rudolf wohl eher danach, sämtliche Güter und das Messingwerk zu verkaufen. Denn auch unter den anderen Geschwistern herrschte kein sonderliches Interesse an dem Hüttenwerk, da dasselbe inzwischen auch in einem recht schlechten Zustand war.

Am 14. Jänner 1606 erwirbt Burkhard Laymann gemeinsam mit seinem Bruder Mathias das Areal des ehemaligen Messingwerkes in Pflach. Zwar wurden von ihnen die Gebäude zu einem großen Teil wieder instand gesetzt und es fanden sich in den ersten Jahren auch Pächter für dieselben, jedoch scheinen diese Pächter nie die jeweils fünfjährigen Pachtverträge voll zu nutzen. Vielleicht war der Standort für die Bäckerei (Pfister) nicht optimal, da sie zu weit von Märkten oder Ballungsgebieten entfernt lag. Die Layman's wandeln die Bauten zum Teil schließlich in eine Großmühle um [4]. 1610, 1616 und 1618 versuchen sie ihren Besitz wieder zu veräußern - als Käufer fassen sie Erzherzog Maximilian III. (den Deutschmeister) ins Auge. Offenbar kommt es aber zu keinem Abschluss, da auch in den Jahren danach wieder Interessenten für das Werk gesucht werden (1621).

Im Mai 1618 hatte sich ein gewisser Hauptmann Hermann Schön aus Ulm als mutmaßlicher Käufer gemeldet. Der Vertrag kommt aber nicht zur Durchführung, da Burkhart Layman am 2. Oktober verstirbt.
Die Kinder Laymans setzen daraufhin einen Kurator ein, um den Nachlass vorerst ordentlich verwaltet zu wissen. 1621 unterbreitet der Stellvertreter der laymanschen Erben, Christoff Layman von Liebenau, dem Erzherzog Leopold V. ein Angebot für das Messingwerk. Nach kurzen Verhandlungen kommt es schließlich zu einer Einigung.

Der hiesige Salzfaktor Christoph Zeiler wird mit der ordentlichen Übernahme der Besitzungen für den Erzherzog Leopold betraut. Bereits Ende April trägt sich der neue Besitzer mit dem Gedanken, aus dem alten Messingwerk eine Waffenschmiede zu machen, um seine Soldaten im Krieg gegen die böhmischen Landstände mit der nötigen Gerätschaft versorgen zu können.
Offenbar wurde dieses Vorhaben jedoch nie in die Tat umgesetzt worden - schlimmer noch, wurde das Werk letztlich im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs ausgeräumt und zerstört [5].

1640 wird in den Urkunden eine Dachsanierung erwähnt, wohl damit die Anlage nicht vollends einfällt. 1641 zeigt sich der Aschauer Bürger Martin Welz sogar bereit die Güter am Steineberg um eine geringe Summe zu erwerben, so herunter gekommen war die Substanz inzwischen schon. Tatsächlich wird von dem gesamten Komplex in der Folgezeit nur noch ein einziges Bauwerk, das Herrenhaus, genutzt - als Mühle.
Sämtliche anderen Bauten fallen der Spitzhacke zum Opfer und nur der Name 'Hüttenmühle' erinnert noch an die einst florierende Messingverarbeitung an diesem Ort.

Literatur


  • Herrschaft und Veste Ernberg, Justinian Ladurner (1870)
  • Das Messingwerk in Pflach bei Reutte, Mutschlechner und Palme (1976)


  • Einzelnachweise


    1. Das Messingwerk in Pflach bei Reutte, Mutschlechner und Palme (1976; S.10)
    2. Das Messingwerk in Pflach bei Reutte, Mutschlechner und Palme (1976; S.33)
    3. Das Messingwerk in Pflach bei Reutte, Mutschlechner und Palme (1976; S.37)
    4. Pflach auf Wikipedia
    5. Das Messingwerk in Pflach bei Reutte, Mutschlechner und Palme (1976; S.105)





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