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Der Erste Weltkrieg

Die 'Urkatastrophe' des 20. Jahrhunderts






Vorgeschichte


satire figaro zündschnur
Satire zum 28. Juni 1914

wilhelm franz joseph kaiser deutschland österreich-ungarn
Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I.
Schon lange brodelt es im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn - während der Monarch Kaiser Franz Josef darauf abzielt weitere Gebiete unter seine Herrschaft zu bringen, regt sich in den östlich gelegenen k.u.k. Ländern immer mehr der Wille zur Autonomie und der Unabhängigkeit. Aber auch die Nachbarländer verfolgen im Rahmen des Imperialismus jeweils ihren eigenen, expansiven Kurs und kommen sich damit immer wieder ins Gehege. Deutschland beispielsweise versucht schon vor, aber noch mehr seit dem Herrschaftsantritt des Kaisers Wilhelm II. sein Terrain gegen Ost und West zu erweitern und kollidiert dabei auch mit den Interessen Russlands und Frankreichs.

Während Frankreich in der Vergangenheit immer wieder seine Ansprüche in den Gebieten Afrikas als Kolonialmacht behaupten kann, hat Deutschland dabei stets die schlechteren Karten. Im Osten sucht der Kaiser polnische Gebiete für sich einzunehmen, wobei Russland naturgemäß einer solchen Erweiterung niemals hätte ruhig zusehen können. Die Spannung war deshalb schon 1887 derart angewachsen, dass man von Seite der deutschen Militärs einen Krieg mit Russland bereits "als unvermeidbar" ansah.
Österreich seinerseits verfolgt eine Ausdehnung hin nach Serbien und Montenegro sowie anderer südosteuropäischer Ländereien - und auch hier stellt sich Russland als weiterer Anwärter für Gebietsansprüche auf dem Balkan als politisches Gegengewicht in den Weg.

In der Folgezeit sucht man in den Kreisen der militärischen Elite der Mittelmächte immer wieder nach Wegen um diese Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Ein erster konkreter Entwurf für ein solches feindseliges Prozedere ist aus dem Jahr 1905 bekannt. Im sogenannten Schlieffen-Plan will man in einem deutschen Zweifrontenkrieg mit Frankreich und Russland die Entscheidung rasch herbei führen. 1912 wird dieser Plan erneut näher ins Auge gefasst und weiter konkretisiert, im April 1913 beginnt man von Seite der deutschen Regierung mit ersten Propaganda-Maßnahmen um die Bevölkerung für einen Krieg zu gewinnen. Schon Ende Juni wird im deutschen Kaiserreich eine Heeresverstärkung - der größten in der deutschen Geschichte überhaupt! - beschlossen.

Mit dem Attentat von Sarajevo können dann die sprichwörtlichen Hunde von der Leine gelassen werden. Es kommt zum Krieg - welcher sich bald zum 'Weltenbrand' und der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts ausweiten, sowie etwa 20 Millionen Menschenleben auslöschen wird.

Die Notlage im Außerfern


nesselwängle höß sterbebild
Franz Höß aus Nesselwängle - 1914 gefallen

kröll monte dorole sterbebild weltkrieg
Rudolf Kröll diente an der Südwestfront im Gebirgskrieg

glockenablieferung kirchenglocken kriegsmetallzwecke kanonen
Glocken werden für die Herstellung von Kanonen und Geschützen eingezogen

brennnessel urtica pflanzenfaser stoffe
in der Notzeit des Kriegs feiert die Brennnessel ihre Rennaisance

babion gewissen 1915 glühlichter
Das Gewissen - Anton Babionmehl leben karikatur humor weltkrieg notzeiten
Galgenhumor
Schon beinahe das ganze 19. Jahrhundert hindurch hatten die Außerferner wegen fehlender sonstiger Einnahmequellen unter den widrigen klimatischen Bedingungen ihrer Heimat zu leiden. Da war es nur verständlich, dass nur wenige den Kriegsbeginn in euphorischem Licht sahen. Und tatsächlich litt die Bevölkerung des Außerferns schon im ersten Kriegsjahr unter der Unterversorgung mit Lebensmitteln. Auf Grund der geographischen Lage war - und ist - Tirol und im Besonderen das Außerfern schon immer hochgradig importabhängig gewesen. Die Eigenversorgung konnte selbst in klimatischen Gunstphasen nur einen Bruchteil der benötigten Mengen abdecken. Die übrige, weitaus größere Masse an Getreide und weiterer wichtiger Lebensmittel kam zur Zeit der Donaumonarchie zumeist aus Ungarn.

Das Vertrauen in die Staatsführung schwand durch das Unvermögen der Aufrechterhaltung der Versorgung im Laufe der Kriegsjahre immer mehr und den propagandistischen Reden wurde bald von vielen kein Gehör mehr geschenkt. Selbst in den Reihen der Lokalpolitiker wurden bereits Ende 1915 immer wieder kritische Stimmen laut.

Tatsächlich hat die k.u.k. Regierung die Tragweite des angefachten Kriegs komplett falsch eingeschätzt. Man war der Meinung, mit Deutschland an seiner Seite einen schnellen Sieg einfahren zu können. Die Realität holt diese Auswüchse an Nachlässigkeit bald ein und der Hunger breitet sich unerbittlich in den ärmeren Bevölkerungsschichten aus. Die Versorgungsprobleme und vor allem die Ungerechtigkeit bei der Verteilung der Lebensmittel untergraben schließlich die Autorität des Staates und führen zu ersten Unruhen.

Durch die Einberufung der Männer zum Kriegsdienst und der Militarisierung der Arbeitsplätze der Frauen in den Rüstungsbetrieben fehlt es dann auch an den erforderlichen Arbeitskräften um die Versorgung der Daheimgebliebenen nur irgendwie gewährleisten zu können. Auch sämtliche Zugtiere mitsamt mindestens der notwendigen Menge an Heu wird für den Krieg verwendet, was weitere Einbußen bei den Ernteerträgen bedeutet. Einen noch größeren Einschnitt hat die Ablieferung von Vieh zur Versorgung der Soldaten und der Bevölkerung in den Städten mit Fleisch zur Folge, da damit auch die Milchproduktion als auch die Nachzucht der Tiere stark darunter einbricht.

Die zentralisierten Organe versagen über die Zeit zusehends in der Frage der Beschaffung und auch der Zuteilungen der überlebensnotwendigen Lebensmittel an die hungernde Bevölkerung. Um diesem Missstand wirkungsvoll entgegen steuern zu können, wird damit begonnen die dazu notwendigen Kompetenzen in die jeweiligen Gemeinden zurück zu holen. Dafür installiert man sogenannte Gemeindewirtschaftsräte, ein Gremium zur Sicherstellung der gerechten Verteilung der Güter, wie auch der Überwachung von Hamsterei und Preiswucherei.

Zu den ganzen Problemen gesellt sich eine schnell voranschreitende Kriegsinflation, sodass letztlich auch die Löhne nicht mehr zur Bestreitung des Lebensunterhalts ausreichen. Bis zum Frühjahr 1918 hatten sich die Preise für die meisten Waren verfünffacht, manche sogar verzehnfacht. Die Antwort auf diese Schieflage kam dann in Form von verübten Diebstählen und Einbrüchen, was die sozialen Spannungen weiter erhöht. Häufig sind es verarmte Städter, welche keine Möglichkeit zur Selbstversorgung, aber auch keine ausreichenden Barmittel besitzen um sich vielleicht auf dem Schwarzmarkt im Milieu des Schleichhandels mit dem Nötigsten eindecken zu können.
Dieses Vagabundentum und die damit einhergehenden Räubereien bewegen die meisten Gemeindeführungen zur Abstellung sogenannter Flurwächter, welche unter Waffen die Felder bewachen.

Die Situation der Schwabenkinder


Für das Jahr 1915 rät der Verein der Hütkinder von einer "Schwabenfahrt" ab. Das, obwohl die Anfragen der Eltern in diesem Jahr besonders zahlreich sind und die Zahl der Hütkinder für dieses Jahr besonders hoch wären. Der Verein meldet jedoch seine Bedenken bei den Interessierten an, die sich darauf beziehen, dass die männlichen Arbeitskräfte durch den Einzug zum Kriegsdienst sowieso schon drastisch gesunken wäre und man jede Hand in der Heimat dringend brauchen würde.

Noch dazu trifft die Last der Kriegsversorgung die deutschen Länder besonders hart und man fürchtet, dass in den Haushalten welche die Hütkinder aufzunehmen bereit wären, der Sparstift vor allem bei den fremden Kindern angesetzt werden würde. Noch dazu, so malt man sich aus, würde von den Kindern und Jugendlichen aus Tirol und Vorarlberg vermutlich noch die größere Arbeitsleistung verlangt, als dies schon in normalen Jahren der Fall wäre.

Trotzdem wünscht man sich in vielen Tiroler Gemeinden, dass die Auswanderung der Schwabenkinder auch in diesem Jahr zustande kommt. Auf den armen Höfen versucht man einfach jeden zusätzlichen Esser irgendwie vom Tisch zu bekommen.

"Herr Sekretär Feichtinger verwies auf die in jeder Hinsicht günstige militärische Lage, nach der der Enderfolg nur mehr vom wirtschaftlichen Durchhalten abhänge. Die Vorräte seien nun in jeder Richtung zu Ende und unsere letzten Reserven seien die Viehbestände. In ergreifenden Worten schilderte der Redner die Not in den Städten und erklärte es als eiserne Notwendigkeit, heute in unsere Viehbestände einzugreifen, um die Millionen in den Städten zu erhalten. Sobald wieder mehr Zuschübe an Getreide, und Mehl erfolgen, werde auf eine Herabsetzung der Fleischquote gedrängt werden. Gegen die übermäßigen Anforderungen der Heeresverwaltung müsse mit allen Mitteln Stellung genommen werden. Auf Grund der neuen Viehzählung werde von nun an eine gerechtere Aufteilung erfolgen, bei der die kleinen Besitzer mehr geschont werden. Bezüglich der Lieferung von Nutzvieh an das Zillertal erklärte der Redner, dass das eine freiwillige Sache sei und keine Gemeinde dazu gezwungen werden könne. Jede Gemeinde habe es in der Hand, den Abverkauf von Vieh zu verhindern. Der Gemeindevorsteher von Tannheim referierte über die traurigen Ernährungsverhältnisse im Tannheimertal. Das Tal, das kein Getreide erzeuge, und ganz auf die Einfuhr angewiesen sei, habe man in Innsbruck bei der Ernährung ganz vergessen, nicht aber die Einberufungen, Steuern und Requisitionen. Die Leute haben nicht einmal mehr ein Stück Brot. Es sei Zeit, dass der Herrschaft der Zentralen ein Ende gemacht werde. Altbürgermeister Bauer brachte folgende Resolution in Vorschlag:
'Die Abgeordneten werden ersucht, bei der Regierung mit aller Energie darauf hinzuwirken, dass eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln für den an Bodenerzeugnissen armen Bezirk Reutte in die Wege geleitet wird. Zunächst ist im Bezirk so viel Milch, Butter und Käse zu belassen, dass die einheimische Bevölkerung nicht Not leidet. Äußerst wichtig ist die Zuweisung von so viel Edelmehl, dass Brot gebacken werden kann. Der Bezirk Außerfern bekommt in Bezug auf seine Produktion, in sich abgeschlossen und aller Zuschübe bar, so wenig, dass er leider genötigt ist, um fortbestehen zu können, seine einzig mögliche Abgabe von Milch, Butter und Käse notgedrungen zu vermindern, insolange eine entsprechende Erhöhung der Mehlzuschübe nicht erfolgt.'

Bei der Wechselrede über diese Angelegenheit kam so recht das traurige Los des vernachlässigten Außerfern zum Ausdruck, dass ohne Mehlzuschübe, und ohne Kartoffeln direkt hungert, und es wurde der Bezirk mit Recht als der schlechtversorgteste und ärmste des Landes bezeichnet. Bezirksobmann Bauer besprach dann den unheilvollen Einfluss einer verfehlten Preispolitik auf die Produktion..."

Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 7. Mai 1918

Verluste


OrtEinberufungenGefallene
Schattwald5517





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