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Ein unheimlicher Leichenzug




Ein Mann von Ehenbichl hatte einmal in der Schmiede zu Reutte ein Wagenrad zu holen und verspätete sich damit, daß er in die Nacht geriet. Wie er nun zum alten Büchel in der Nähe der Feldkapelle kam, begegnete ihm auf einmal ein eigenartiger Leichenzug. Voraus gingen Frauen mit "Briselkappen" in zwei Gruppen, wovon die erste schwarz gekleidet waren, die der zweiten Abteilung aber weiße Schürzen und Kappen und schwarze Röcke trugen. Dann folgten als dritte Abteilung Männer mit einer Totenbahre. Langsam und feierlich bewegte sich der Zug vorwärts, und dabei riefen die vordersten in ernstem Bettone: "Soll ich?", die zweiten darauf: "Muß ich?" und endlich hinten die Männer: "Laßt ihn gán!"

Der Ehenbichler aber hat seiner Lebtag nie so viel Angst und Entsetzen ausgestanden wie diesmal, und immer war es ihm, als wäre er für den Sarg bestimmt, den die Männer trugen. Doch sie ließen ihn unbehelligt. Von dem Schrecken aber wurde er darauf lange krank, und für sein ganzes Leben verblieb ihm ein eigenartiges Wesen.
Reiser, 1895





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