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Die wunderbaren Bilder




Nahe bei Stanz unweit Landeck ragt auf einem Felsen eine Burg in Trümmern, die alte Feste Schrofenstein. Das Schloss soll schon zu den Römerzeiten erbaut worden sein und erlebte mancherlei Schicksale. Eine Sage von ihm scheint in fernliegende Zeit zu fallen. Nach ihr wurde die alte Burg von einer sehr frommen Familie bewohnt und von einem sehr erbitterten Feind lange und hartnäckig belagert, der aber mit seinen Pfeilgeschossen gegen die festen Türme und Mauern nichts ausrichten konnte. Der Feind beschloss zwar, die Belagerten auszuhungern, doch wurde er damit auf eine harte Probe gestellt, denn eine Windmühle, auf einem der Türme angebracht, drehte fleißig ihre Flügel, mithin schien es nicht an Korn zu fehlen, und im Keller lag ein Fass Wein, das so unerschöpflich war, wie das gesegnete Ölkrüglein der Witwe. Auch sah man noch großmächtige Alpenkäse, so groß wie Mühlsteine, zum Trocknen aufgestellt. Gleichwohl stand es misslich um die Frommen in der Burg - das Korn war zu Ende, man ließ aber die Mühle leer gehen. Die Käse waren ausgehöhlt, und was der Feind sah, war deren Rinde. Der Wein, den man dem Feind zum Frühstück hinabsandte, gehörte zu den letzten Flaschen aus dem nun leeren Fasse. Der Feind aber dachte: "Sie mahlen noch, sie haben noch große Käse, sie zechen noch Wein, wer weiß, auf wie lange - du willst Zeit und Geld sparen und abziehen". Gedacht, getan, und die Frommen, die nur noch drei Tage zu leben gehabt hätten, waren erlöst. Da ließ die Familie zum Danke so viele Heiligenbilder schnitzen, als sie Häupter zählte, und sie in der Kirche zu Landeck aufstellen. Diese Bilder hatten alle offene Augen. Aber sowie eines der Familienmitglieder mit Tod abging, schloss eines der Bilder seine Augen für immer zu. Die Bilder sind noch immer in der Kirche zu Landeck zu sehen.
Deutsche Alpensagen - Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg (1861)





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