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Die Ögg Hex

und der Geist in der Oberstrinder Sennhütte



Zur Zeit als der Bischof, ein alter Junggeselle aus Haldensee, noch Großhirt auf der Oberstrindenalpe war, kam während der Nacht öfter ein Geist unter furchtbarem Gepolter bei der oberen Tür herein. Besonders schreckhaft ging es oft vor hohen kirchlichen Festtagen, wie zu Portiunkola oder am Schutzengelsonntag zu. Da konnte man vor der im Stalle aufgehängten Milchtafel auf der das tägliche Melkergebnis aufgeschrieben wurde, einen schwarzgekleideten Mann mit einem Geisfuß stehen sehen und beobachten wie er auf derselben die Aufschreibung überprüfte und nachrechnete, wobei die Tafel nicht selten plötzlich zu zittern begann oder wohl gar vom Geist hin und her "gerottelt" wurde. Wagte sich jemand auf das Gepolter hin in den Stall hinaus, so erzitterte der ganze Boden und es tat sich in demselben gleichzeitig eine Kluft auf, durch die der Geist verschwand.

Einmal kam derselbe um Mitternacht wieder bei der oberen Tür herein und ging über das Kehlgebälk auf den Heuboden, wo das Hüttenpersonal schlief. Über das Gepolter erwachte dasselbe, konnte sich aber vor Schreck nicht zurecht finden, denn überall wo man hinlangte, griff man auf eine eisigkalte Totenhand. Da nun niemand mehr auf der Alpe bleiben wollte, ließ man einen Kapuziner, der gerade in Grän anwesend war, auf die Alpe kommen, der die Hütte benedizierte und den Geist in das Geschröf hinauf verbannte. Seit dieser Zeit herrscht Ruhe.

Ögg (Ecke) heißt der Grat, der die Strindenalpe von der Usseralpe trennt. Dort haust eine Hexe, die sich meistens vor Eintritt von schlechtem Wetter hören läßt.
Da fängt sie an zu jodeln und kommt sogar bis in die Nähe der Hütte. Meist hielt in solchen Fällen die Witterung längere Zeit und sogar vier Wochen lang an. Die Ögghex konnte auch manchmal vom Kleinhirt gesehen werden, verschwand aber jedesmal morgens nach dem Aveläuten.

Einmal hat der Untersenn und der Holzer noch spät in der Nacht, wie es schon ziemlich finster war, noch etliche Kühe ausgetrieben. Da begann es vor der Hütte draußen auf einmal von der Weite her zu juchzen und zu johlen. Das Hüttenpersonal hat daraufhin angegeben (erwidert).
Beim dritten Mal Anrufen hat es dann ein so unwirkliches Geräusch gegeben, daß jeder und jedem die Ohren sangen und alle erschrocken in die Hütte zurück liefen.





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