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Das Mütterchen zu Madau




In Madau, einem Seitental des Lechtels, links vom Dorfe Bach, lebte einst ein altes Mütterchen, welches an den Sonntagen nicht mehr den dreistündigen Weg nach der Pfarrkirche in Elbigenalp machen konnte, auch sonst schon schwach und gebrechlich war; daher betete es jedesmal drei Vaterunser dafür. Der Pfarrer von Elbigenalp war ein strenger Seelenhirt und schickte ihr die Aufforderung zu, zum sonntägigen Gottesdienst zu kommen. Das Mütterchen gehorchte sogleich dem Gebot und wanderte am nächsten Sonntage bei schrecklichem Sturm und Regen den Weg nach der Kirche und stellte sich auch im Widum.

Der Pfarrer schalt die Alte wegen Lauheit und fragte, wie viel sie statt sonntägigem Kirchgang gebetet habe. Drei Vaterunser! war die Antwort. Und wie viel habt ihr am Wege hieher und in der Kirche gebetet? fragte der geistliche Herr weiter. - Auch drei Vaterunser! antwortete das Mütterchen.

Das dünkte dem strengen Herrn zu wenig. Aber das Weiblein - den Schweiß von der Stirne wischend - sprach: "Es hat alles seine Sach, und es gilt, wie und wann und wo man betet; bei meinem Alter, in unserm Thal drin, bei solchem beschwerlichen Weg und wildem Wetter sind drei Vaterunser mehr wert, als wenn anderswo alle Leute zusammen durchs ganze Thal hinaus beten würden." Das bezweifelte aber der Pfarrer von Elbigenalp, und da hing das Weiblein zum Zeichen der Wahrheit seinen noch aufgespannten Regenschirm in die Luft, und dieser blieb wirklich in der Luft hängen. Da kam nun alles Volk zusammen, und der Pfarrer und das Volk erkannten, was drei Vaterunser, recht gebetet, wert seien und wirken können, und alle priesen den Herrn, der ihnen das Wunder gezeigt hatte.
Reiser, 1895





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