Geschichte » Metallwerk PLANSEE



history live_help

Metallwerk PLANSEE

Planseewerke



plansee metallwerke
© Plansee Group; Lizenz


Paul Schwarzkopf - der Gründer


* 13. April 1886 in Prag
† 27. Dezember 1970 in Innsbruck


persönlichkeitsdenkmal paul schwarzkopf planseewerk pirkner
Bereits 1911 gelang einem jungen Mann mit tschechischen Wurzeln und großem Talent in einer italienischen Glühlampenfabrik in Turin die Erfindung des gezogenen (duktilen) Wolframfadens. Zwei Jahre später stellt er diesen Faden in einer von ihm und seinem Freund gegründeten Fabrik erstmals industriell her. Der Erste Weltkrieg setzte jedoch alle weiteren Unternehmungen aus. Nach dem Ende des Kriegs und mehreren Versuchen, Anläufen, Beteiligungen an kleineren Firmen und jeder Menge spezifischer Erfahrungen ging er 1921 schließlich, durch Vermittlung des in Reutte ansässigen Rechtsanwalts Dr. Hermann Stern, an die Gründung seiner eigenen Firma: die Metallwerke Plansee bei Breitenwang.

Paul Schwarzkopf wurde am 13. April 1886 in Prag geboren, wo er im Laufe seines schulischen Werdegangs auch die technischen Wissenschaften eingehend studierte. Als sein persönliches Spezialgebiet erwählte er schließlich die Pulvermetallurgie, mit ihren Verarbeitungsstufen der Pulverherstellung, der Formgebung durch Pressen und schließlich dem Sintern zu Halbfabrikaten. Später setzte er sein Studium in Berlin fort und promovierte am 4. Dezember 1910 zum Doktor der technischen Wissenschaften.

Dr. Paul Schwarzkopf im Jahr 1954
"...während des 1. Weltkrieges habe ich 29 Monate an der Südtiroler Front, vorher sieben Monate zur Ausbildung in Wattens und in der Reserveoffiziers-Schule in Innsbruck verbracht. Diese 36 Monate in Tirol haben in mir eine solche Liebe zu diesem Lande erweckt, daß ich nach Kriegsende nur einen Wunsch hatte - meinen Wohnsitz und meine Tätigkeit nach Tirol zu verlegen..."


Paul Schwarzkopf Portrait
Dr. Paul Schwarzkopf

metallwerk plansee paul schwarzkopf ehrung 1954
Dr. Paul Schwarzkopf bei einer Ehrung 1954

breitenwang titanit ceratizit metallwerk plansee
das sogenannte 'Titanit'

metallwerk plansee erstickt
Zeitungsbericht vom 18.01.1927

metallwerk plansee werbung helios elektrotechnikWerbeanzeige 1929

elmet-metalle schwarzkopf metallwerk plansee
Hochleistungs-Kontakte aus dem
Metallwerk Plansee (1937)
In den Produktionsstätten in Reutte waren zunächst 20 Mitarbeiter mit der Herstellung von Molybdän- und Wolframdraht beschäftigt, um damit die Leuchtmittelindustrie zu beliefern. Um Paul Schwarzkopf versammelte sich aber auch schnell ein Stab an Forschern, welche die Entwicklung vorantrieben und tief in die Materialentwicklung eintauchten um neue Werkstoffe und Komponenten aus hochschmelzenden Metallen - sogenannten Refraktärmetallen - zu ersinnen.

1927 ging man daran die Produktionsstätte zu vergrößern und Anlagen aus einem zweiten Standort, welcher sich bis dahin in Berlin befand, ebenfalls in Reutte aufzubauen. Am Ende des Jahres waren insgesamt 90 Personen im Werk beschäftigt.

1929 werden die Vorarbeiten zur Errichtung eines Werks in Amerika durchgeführt. Arbeiter aus dem Stammwerk Reutte reisen deshalb zu Anlerntätigkeiten nach Übersee.
In Reutte selbst hatte das Werk mindestens ab dem Jahr 1929 an der Unterversorgung mit Strom zu leiden. Ein Teil der Fertigung wurde auf Grund dessen nach Patsch ausgegliedert, der Betrieb dort wurde jedoch nur bis in das Jahr 1930 geführt und dann wieder aufgelassen. Doch nicht nur der Mangel an Strom brachte für das Metallwerk eine schwierige Zeit mit sich, auch der Absatz der Produkte gelangte ins Stocken, woraufhin zu Beginn des Jahres 1930 rund 150 der insgesamt 300 Mitarbeiter auf die Dauer von drei Monaten ausgestellt werden mussten. Letztlich stabilisierten sich die Verkaufszahlen bis in den Herbst des Jahres, dennoch konnten aber nur 50 Personen wieder eingestellt werden.

Als weiteres wirtschaftliches Standbein des jungen Unternehmens folgte die Fertigung von Produkten aus Hartmetall, dem damals so genannten 'Titanit', welches sich ab 1931 in Zusammenarbeit mit den 'Deutschen Edelstahlwerken' in Herstellung befand. Neben diesen Hochleistungswerkstoffen wurde mit inzwischen 400 Beschäftigten auch weiterhin an der Weiterentwicklung der Verfahren der Pulvermetallurgie gearbeitet.

Aus Sicht des Unternehmers und Forschers überdachte Paul Schwarzkopf inzwischen die Verformungsverfahren und Oberflächenbehandlungen nochmal ganz neu, bis er sich schließlich (trotz agnostischer Einstellung) auf Grund seiner jüdischen Wurzeln und der politischen Entwicklung zur Emigration, zunächst in die Schweiz und am 12. Februar 1938 in die Vereinigten Staaten von Amerika, genötigt sah.

Die politische Landschaft hatte sich mit der Machtergreifung durch die Nazis binnen Tagen komplett neu geformt. Noch kurz zuvor wurde Schwarzkopf durch den zu der Zeit amtierenden Bundespräsidenten Wilhelm Miklas das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens verliehen und bereits im Mai desselben Jahres wird eine amtswegige Löschung der "Deutschen Glühfadenfabrik Richard Kurtz und Dr. Ing. Paul Schwarzkopf, GesmbH." vollzogen.

Dr. Paul Schwarzkopf, 1954
"...aber auch viele Sorgen, denn es ging nicht immer alles so glatt, wie es heute aussieht. Ich hatte böse Finsternisse zu durchwandern, aber jetzt scheint wieder die Sonne..."


Erst Schwierigkeiten in Amerika ergaben sich, da die Behörden sich nicht einigen konnten, ob Schwarzkopf nach dem Anschlussvertrag vom 13. März 1938 nun als Deutscher oder Österreicher anzusehen war. Nach drei Jahren im Exil wurde Schwarzkopf in den USA dann tatsächlich in ein Internierungslager verbracht, da man ihn der Industriespionage verdächtigte.

In seinem Werk in Reutte hatten seit der Machtübernahme der NSDAP kleine Angestellte mit nationalsozialistischer Gesinnung die Leitung des Betriebs übernommen. Noch lange über das Kriegsende - und damit auch über die Regierungsphase der Nazis - hinaus blieben die Nazis auf ihren Posten sitzen, was zunehmend den Unmut der Mitarbeiterschaft hervorrief.
Erst mit 26. März 1946 wird der Dipl.-Kaufmann Friedrich Herold seines Amtes als Treuhänder der Gesellschaft enthoben.

Erst 1948 kehrte Schwarzkopf zurück und übernahm am 7. August mit Eintragung unter der Bezeichnung "Metallwerk Plansee, Gesellschaft m. b. H." zusammen mit dem zweiten Gesellschafter Dr. Ekkehard Guth die rechtmäßige Führung seines Betriebs.

Walter Max Schwarzkopf


* 30. Oktober 1931 in Füssen
† 11. Juli 1978 in Breitenwang


1931, genauer am 30. Oktober, wurde Pauls Sohn Walter Max aus der Ehe mit Mary (Maria Mondini) in diese zunehmend schwierigen Zeiten hineingeboren. Als knapp Siebenjähriger hatte er die eigene dramatische (und vielleicht auch traumatische) Emigration nach New York und die bangen Zeiten, in denen die Verwandten in den deutschen Konzentrationslagern inhaftiert und zum Teil wohl auch getötet wurden, zu verkraften.

Der junge Walter Max Schwarzkopf scheint nach der Rückkehr aus Amerika zunächst in der Schweiz verblieben zu sein. Als Student pendelte dieser zudem häufig zwischen Zürich und New York, bis er 1955 den technischen Titel als Dipl. Ing. in Chemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich erhielt. Bereits 1956 verlieh man Walter Schwarzkopf am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, Massachusetts (USA) den Titel Master of Science.

Von 1958 bis zum Tod seines Vaters Paul Schwarzkopf war er an verschiedenen Projekten in den Planseewerken beschäftigt, als er schließlich 1970 in den Vorstand aufrückt und als Vorsitzender die Geschicke des Unternehmens leitet.
Am 11. März 1978 verstirbt Walters Mutter Maria in Breitenwang.

Pogrome in Reutte und Breitenwang


Im Raum Reutte-Breitenwang rotteten sich inzwischen nach 'dem Anschluss' die Nationalsozialisten zusammen und begingen, wohl im Taumel eines vorauseilenden Gehorsams, eine Pogromnacht. Mitte März 1938 wohl gemerkt, nicht erst zur 'offiziellen' Version - den Novemberpogromen. So verübten also hiesige nationalsozialistische Anhänger in fanatischer Manier ihre ersten Gewalttaten gegen die bislang vollkommen unbehelligte jüdische Bevölkerung. Darunter befanden sich selbstredend auch Menschen mit hochrangigen Posten im Metallwerk Plansee, wie etwa der kaufmännische Direktor.
Nur Tage später richtete sich die Verfolgung gegen alle jüdischen Mitarbeiter des Werks, als auch anderer in Reutte oder Breitenwang lebender Juden, die in verschiedenen Unternehmen tätig waren oder in selbständiger Tätigkeit ihrem Broterwerb nachgingen.

Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 übernahmen die 'Deutschen Edelstahlwerke' das Metallwerk Plansee, nachdem das NS-Regime den bisherigen Inhaber enteignet hatte und die Produktion des Werks auf die Kriegsindustrie ausgerichtet sehen wollte.

Nach der NS-Zeit


plansee-seminar metallwerk planseewerke
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlangte Schwarzkopf sein Eigentum noch nicht zurück. Es sollten fast weitere sieben Jahre vergehen, bis er endlich wieder die Führung über sein Unternehmen wiedererlangte.

Schwarzkopf besaß im Außerfern zwei Villen, wovon eine als Hauptwohnsitz in Reutte und eine zweite am Plansee als Freizeitwohnsitz stand. Darüber hinaus zählte er auch ein Wald- bzw. Jagdhaus zu seinen Besitztümern. Die Jagd galt generell als sein großes Steckenpferd und bildete den Ausgleich zu seinen Forschungen in der Metallurgie, sowie seinen unternehmerischen Tätigkeiten.

aus dem metallwerk plansee

1954 bringen die Ausserferner Nachrichten einen Sonderdruck in mehreren Folgen mit dem Titel "Unser Werk" heraus, in welchem die technischen Abläufe erläutert und die physikalischen Eigenschaften, sowie die Anwendungsgebiete der Metalle Molybdän und Wolfram erklärt werden.

Literaturverzeichnis und Quellen


  • Neue deutsche Biographie, Bd.: 24, S. 30; Otto zu Stolberg-Wernigerode
  • Jüdisches Leben in Nord- und Südtirol von Herbst 1918 bis Frühjahr 1938, Sabine Albrich-Falch (Haymon-Verlag; 2013)
  • Breitenwang in der NS-Zeit 1938 bis 1945; Vortrag von Dr. Richard Lipp
  • Austrian Democratic Review in der Ausgabe Juni/Juli 1943


  • Bilder


    metallwerk planseemetallwerk planseemetallwerk plansee





    ...vielleicht auch interessant:

    Rodordnung / Auszug einer Rodordnung (Geschichte)
    Das Knappenlochweible bei Musau / (Sagen)
    Ein unheimlicher Leichenzug / (Sagen)