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Brauchtum und Sitten









Außferner Bote vom 6. Jänner 1927
Schattwald, 3. Jänner. Eine lang ersehnte Freude war es für die Schulkinder, am Neujahrstage nach althergebrachter Weise von Haus zu Haus ihren Neujahrsglückwunsch herzusagen. Ortsüblich werden die Kinder in jedem Hause mit Geldstücken und Kleinigkeiten beschenkt und ist dieser Tag eine Freude für Jung und Alt.
Erfreulicherweise erhielten die Kinder heuer in fast jedem Hause 10 bis 50 Groschen und ist dies ein Beweis, daß noch fest an diesem alten Brauche gehalten wird und man sich der guten Wünsche der Kinder freut.



Scheibenschlagen



Bild: Josef Saurwein, Zams - Wikimedia


Das Scheibenschlagen findet am ersten Fastensonntag statt. Im Außerfern wird dieser einst weit verbreitete, alte Brauch jedoch nur noch in Weißenbach, Musau, Pinswang und Ehrwald betrieben. Überregional findet man eine derartige Brauchtumspflege noch im Tiroler Oberland, dem Vinschgau und wohl nur noch einem einzigen Ort in Osttirol. Im Raum Innsbruck und dem Tiroler Unterland ist man gänzlich davon abgekommen, wogegen derselbe in Südwestdeutschland und auch in Bayern noch relativ häufig betrieben wird. Mit am häufigsten aber im Schwarzwald und im Breisgau, als auch in Vorarlberg.

Erste schriftliche Erwähnungen zum Brauch des Scheibenschlagens finden sich bereits im 11. Jahrhundert, wobei angenommen wird, dass derselbe sogar bis in die Keltenzeit zurückreichen könnte und einem heidnischen Ritus der Winter- und Dämonenaustreibung entsprang.
Scheibenschlagen gehört seit 2015 zum Immateriellen Kulturerbe in Österreich.

Das Lechthal, Anton Spiehler (1883)
...die Johannisfeuer und das mit denselben verbundene Scheibenschlagen waren schon zu Falgers Jugendzeit nicht mehr in Uebung. Doch weiss er von älteren Leuten, dass die Scheiben aus Buchenholz von etwa 8 Zoll Durchmesser bestanden, ein Loch in der Mitte hatten und dass die brennende Scheiben unter bestimmten Sprüchen zu Ehren von Liebesleuten geschleudert wurden; sie sollen dabei oft bis in die Felder und Wiesen herabgeflogen sein, weshalb dieser Gebrauch als feuergefährlich verboten wurde...

  • Feuerbräuche in Tirol, Karl C. Berger


  • Hexverbrennen


    Dem Scheibenschlagen voraus, geht das sogenannte Hexverbrennen. Auf einem Holzkreuz wird dabei eine mit Stroh ausgestopfte und altem Gewand gekleidete Puppe geformt. Das Gesicht besteht aus einer hölzernen Hexenmaske und in der Armbeuge wird von ihr ab und an ein Korb getragen, aus welchem eine meterlange Wurst heraushängt. Heutzutage wird sie, einer Hexe angemessen, auch gern mit einem Besen ausgestattet.

    Die Buben tragen am Nachmittag des Hexensonntags schließlich die Hexe durch das Dorf und lassen sie unter lautstarkem Rufen vor den Häusern tanzen. Die Bewohner treten aus den Häusern um sich dem Zug anzuschließen und letztlich als Dorfgemeinschaft zum Hexenfeuer zu wandern und dieses, nachdem man die Hexe zuoberst aufgesteckt hat, zu entzünden. Die Besucher versammeln sich rund um das Feuer und beobachten das Züngeln der Flammen und den 'Feuertod' der Hexe.

  • 900 Jahre Pinswang - Das Dorf an der Grenze





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